Schlagwort: Leipziger Literaturinstitut

Lorenz Justs „Der böse Mensch“: Böse ist der, der Böses tut?

Einem Debüt gegenüberzutreten ist eine reizvolle wie schwierige Aufgabe. Wer Brillanz gleich erkennt, kann sich für sein literarisches Gespür rühmen, schließlich möchte jeder den neuen Shootingstar als erstes ausgemacht haben. Gleichzeitig ist das kritische Annähern an ein Debüt ein Flug auf Sicht: Kein Werk, aus dem heraus sich etwas erklären lassen könnte, keine Kritikermeinung, an die man sich anlehnen könnte. Klar: Irgendwoher lassen sich immer Stützen holen – vielleicht gibt es einen vergleichbaren Autor oder Text. Und wenn man nicht über das Debüt selbst sprechen will, kann man immer noch darauf ausweichen, es als Symptom auszudeuten. Wie wäre es zum Beispiel mal wieder mit einer Debatte über Literaturinstitute? Weiterlesen

Isabelle Lehns „Binde zwei Vögel zusammen“: In Twittergewittern

Liama Menina schließt ihren Bericht über ihre Zeit im US-Stützpunkt in Hohenfels mit den Worten: „Freedom, finally, enduring!“ Liama Menina ist nicht ihr richtiger Name, doch die 26 Tage, von denen sie berichtet, könnten nicht (ir)realer sein. Zur Vorbereitung auf den Afghanistan- und schließlich auch Irakkrieg nutzten die amerikanischen Streitkräfte den deutschen Stützpunkt, um ein afghanisches Dorf zu simulieren, in dem reale Gefechtssituationen trainiert werden. Die in der taz berichtende Studentin hat die Geldnot dazu bewegt, in die Haut einer afghanischen Frau zu schlüpfen, ihr Bericht konzentriert sich vor allem auf die Strapazen, das schlechte Essen, den Stress, den der andauernde Theaterdonner auslöste. Der Bericht diente der Autorin Isabelle Lehn zur Inspiration für ihren Debütroman „Binde zwei Vögel zusammen“, in dem sich in dem Potemkinschen Dorf eine waschechte Subjektkrise vollzieht. Weiterlesen