Schlagwort: Lincoln im Bardo

Robert Seethalers „Das Feld“: Der Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch

Der Tod ist der Literatur kein Unbekannter. Gestorben wird eh dauernd, genauso wie getrauert. Weil die Literatur das Reich der Fiktion ist, so sehr sich die Autobiographisten auch dagegen wehren, kennt die Literatur auch Tote, die nicht zum Schweigen gebracht werden. Zuletzt sorgte der Totentanz des großen amerikanischen Schriftstellers George Saunders, „Lincoln in the Bardo“, für Aufsehen, der damit direkt den Man Booker Prize gewann. Saunders erzählte von Präsident Lincoln, der am Grab seines Sohnes trauert und um den sich eine ganze Gesellschaft Toter schart, die von ihrem Schicksal kündet. In „Lincoln in the Bardo“ wird daraus eine kluge Geschichte über ein amerikanisches Trauma und wie eine Gesellschaft sich darum formiert. Weiterlesen

George Saunders‘ „Lincoln in the Bardo“: Die Nation ist ein trauriger Mann

Es gibt wohl kaum einen Präsidenten, der in den USA inbrünstiger verehrt wird als Abraham Lincoln, nimmt man den alten Süden mal aus. Über ihm kommt vielleicht nur noch George Washington. Selbst Donald Trump – in seiner Selbstüberschätzung grenzenlos – schätzt Abraham Lincolns historische Bedeutung vielleicht noch etwas höher als seine eigene ein. Die Geschichte seiner Präsidentschaft ist natürlich die Geschichte des Amerikanischen Bürgerkriegs und der Befreiung der schwarzen Bevölkerung aus der Sklaverei. Werke über diese Zeit gibt es heuer noch und nöcher – doch die haben sich meist von den Heldenerzählungen von Generälen und Präsidenten verabschiedet und nehmen den Blick derer ein, die den Kampf und das Leiden am eigenen Schicksal hautnah erleben mussten. Nun hat George Saunders seinen neusten Roman „Lincoln in the Bardo“ vorgelegt, der klar macht: Das Schicksal des Präsidenten kann man gar nicht von dem aller Amerikaner trennen. Weiterlesen