Schlagwort: Literarisches Quartett

„Wir waren Fischer“: Chigozie Obiomas „Der dunkle Fluss“

Als das Literarische Quartett am 2. Oktober 2015 neu aufgelegt wurde, war „Der dunkle Fluss“ von Chigozie Obioma das erste Buch, das vorgestellt wurde. Während Maxim Biller den Debütroman des nigerianischen Exilautors vor allem inhaltlich verteidigte, kritisierte Christine Westermann die „wackelige“ Übersetzung von Nicolai von Schweder-Schreiner. Das von Volker Weidermann gezogene Resümee am Ende der Sendung: „Ein gerechtes Unentschieden“. Zeit, sich diesen Text über eine self-fulfilling prophecy in einer Stadt im Südwesten Nigerias in den 1990er Jahren, die aus der Kinderperspektive des neunjährigen Ben erzählt wird, näher anzusehen. Weiterlesen

Daddy Issues: Maxim Billers „Biografie“

Biografie heißt der lang erwartete neue Roman von Maxim Biller, der in den letzten Monaten vor allem durch seine umstrittenen Auftritte im neuen Literarischen Quartett für Aufsehen sorgte. Fast jeder hat seitdem eine Meinung zum Kritiker Biller: man hasst ihn oder man liebt ihn. Den Schriftsteller Biller scheinen dagegen nur wenige zu kennen. Ähnlich wie der Ich-Erzähler Solomon Karubiner, der sich im Roman als der meistdiskutierte und gleichzeitig am wenigsten gelesene deutsche Schriftsteller tituliert, ist auch das literarische Werk Maxim Billers bis auf den sagenumwogenden, verbotenen Roman „Esra“ den meisten Kritikern unbekannt. Diejenigen Biller-Kritiker, die sich skeptisch an den 900 Seiten starken Roman „Biografie“ trauen, finden wahrscheinlich Grund zur Kritik, eine leichte Lektüre ist dieser Text nicht. Wer aber durchhält, wird mit dem unverwechselbaren, einzigartigen Biller-Sound, viel Humor und einem großen Werk der deutschen Gegenwartsliteratur belohnt. Weiterlesen

Thomas Manns böser Zwilling: Maxim Billers „Im Kopf von Bruno Schulz“

Im April 2016 erscheint der neue Roman „Biografie“ von Maxim Biller bei Kiepenheuer & Witsch. Seit seiner letzten literarischen Publikation, dem schmalen Novellenbändchen „Im Kopf von Bruno Schulz“ aus dem Jahr 2013, steht Biller seit einigen Monaten vor allem durch seine launigen Auftritte im Literarischen Quartett im Fokus des Literaturbetriebs und wird dafür gleichermaßen gelobt und angefeindet. Dabei gerät sein eigenes literarisches Werk immer weiter aus dem Blickfeld – vollig zu Unrecht, wie sich an der Bruno Schulz-Novelle zeigen lässt. Weiterlesen

Literarisches Quartett: In der Fernsehhölle geht (noch) nichts auf

Fernseh-Piloten sind eine prekäre Sache: Auf der einen Seite sollen sie Zuschauer gewinnen und den Ton für folgende Episoden setzen, auf der anderen Seite muss sich genau dieser Ton meist noch finden. Oftmals haben die großen Fernsehsendungen grauenhaft-langweilige Anfänge. Gestern Abend war es schließlich soweit, das Literarische Quartett wurde aus den Untiefen des ZDF-Archiv geborgen und neu aufgesetzt. Langweilig war es nicht, aber der Zuschauer merkte jede Minute: Hier muss sich noch einiges zurechtruckeln, auch weil das ZDF für jede mutige Entscheidung doppelt so viel Mutlosigkeit zeigt. Weiterlesen