Schlagwort: Literaturbetrieb

Jörg Schröder erzählt Ernst Herhaus „Siegfried“: Echtholzliteratur

Vom Mythos leben und nicht von der Stückzahl.«, so brachte Jörg Schröder irgendwann mal seine eigene Strategie auf den Punkt. Tatsächlich scheint im deutschen Literaturbetrieb kaum jemand ein so intimes Verhältnis zum Mythos zu haben wie Schröder, obwohl es am Anfang seiner Karriere den Eindruck machte, als würde er es mit den Stückzahlen auch ganz gut hinbekommen. Schließlich war er derjenige, der auf die Idee kam, „Die Geschichte der O“ in Deutschland herauszubringen und landete damit nicht nur einen Kassenschlager, sondern rettete auch gleich den angeschlagenen Melzer Verlag. Als irgendwann, nach langer Reise durch die Wirren des Verlagswesens, die Verkaufserfolge ausblieben, machte Jörg Schröder das einzig konsequente: Er machte sich selbst zum Geschäftsmodell. Weiterlesen

open mike 2016: Die junge Literatur kapert den Heimathafen

Einmal im Jahr verwandelt sich der Neuköllner Heimathafen von einem Veranstaltungssaal für Kiez-Comedy, Konzerte und Kleinkunst zur Weihestätte der jungen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. An einem kalten Novemberwochenende versammelte sich die Berliner Literaturszene und vollzog den 24. open mike. Neben dem Klagenfurter Ingeborg Bachmann-Preis kann sich der open mike selbstbewusst als der wichtigste Literaturwettbewerb verstehen, für die Veranstalter war es das erste Mal unter dem neuen Namen „Haus der Poesie“. Während die Jury wohl lange nicht mehr so namhaft besetzt war, musste der Zuhörer bei den gelesenen Texten dieses Jahr viel Mittelmaß über sich ergehen lassen. Gewinner wurden trotzdem gekürt: Was sagen sie über den Zustand der jungen Gegenwartsliteratur aus? Weiterlesen

Die Kunst des Lektorierens

Obwohl Lektoren maßgeblich am ‚Produkt Buch‘ mitarbeiten, treten sie öffentlich eher selten in Erscheinung, außer wenn sie vom Feuilleton in einem Verriss für Überlängen und Unstimmigkeiten der Texte verantwortlich gemacht werden. Vom Alltag eines Lektors bekommt der Leser wenig mit. Im Rahmen des 16. internationalen literaturfestivals in Berlin diskutierten Raimund Fellinger, Cheflektor des Suhrkamp Verlags, Franziska Günther, die leitende Sachbuchlektorin des Aufbau Verlags und Amber Qureshi, die als Lektorin unter anderem für Penguin in New York arbeitet, im Literaturhaus über ihre Arbeit. Weiterlesen

Kein Neuanfang nach ’45: Christian Adams „Der Traum vom Jahre Null“

Im Sommer 1945 liegt Deutschland in Trümmern: Der Krieg ist verloren, der NS-Staat zusammengebrochen, der Bevölkerung fehlt es am Nötigsten. Die einzige Hoffnung für viele Menschen: Im Ende des Alten sehen sie eine Chance auf einen Neuanfang, einen radikalen Umbruch, eine ‚Stunde Null‘. Die Entnazifizierungsverfahren der Alliierten scheinen ihnen auf den ersten Blick Recht zu geben. Die alten Eliten werden aus ihren leitenden Positionen entlassen und müssen Rechenschaft ablegen. Doch gab es diesen Neuanfang nach 1945 wirklich? In seiner Studie „Der Traum vom Jahre Null“ befasst sich Christian Adam mit dem deutschen Literaturbetrieb nach 1945, den Lesegewohnheiten der Deutschen, dem Umgang der Literatur mit dem Krieg und dem Personal des Literaturbetriebs und stellt fest: Der Traum von der Stunde Null ist nur ein Mythos. Weiterlesen