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Anja Kümmels „V“: Orpheus dreht sich nicht um

Wie die Digitalisierung unseres Alltags die Ästhetik und Bildsprache der verschiedenen Kunstrichtungen beeinflusst, ist eine Diskussion die erst langsam so richtig in Fahrt gekommen ist. In den letzten Jahren haben sich viele Filme mit dem Thema beschäftigt: von Michael Manns „Blackhat“, über die neusten James Bond-Filme bis hin zu „Jurassic World“ finden sich viele kluge und weniger kluge Reflexionen darüber, wie man das Unsichtbare darstellbar macht. Denn eine Welt, in der die großen Raubüberfälle sich nicht mehr in maskierten Bankplünderungen, sondern in wenigen Hackerclicks manifestieren, muss unweigerlich eine ganz neue Formsprache produzieren. Konsum, politische Ereignisse, Kriminalität, Kommunikation und Kriegsführung wandern (zu Teilen) immer mehr in den Bereich des Digitalen und damit ins Nichtdarstellbare ab. Die Literatur hat zum Nichtsichtbaren freilich ein anderes Verhältnis, ihre Kernaufgabe ist die Sichtbarmachung der Welt. Damit könnte das alte Medium Buch die Antwort auf die ästhetischen Herausforderungen der Zukunft darstellen. Denn fest steht: dort, wo sich das Äußerliche unsichtbar macht, werden allegorische Formen umso wichtiger, die die Dinge aus den Schatten zurückholen. Weiterlesen