Schlagwort: Marcel Reich-Ranicki

Jörg Magenaus „Martin Walser“: „Was ihm zustößt, beantwortet er mit Literatur.“

Walter Jens, Siegfried Lenz, Günter Grass oder Marcel Reich-Ranicki – mit dem Tod der großen Persönlichkeiten der Nachkriegszeit scheint endgültig eine Literaturepoche zu enden, die die BRD wie keine andere geprägt hat. Mit Hans Magnus Enzensberger und Martin Walser sind der Literatur nur noch zwei zentrale Gestalten dieser Zeit und der wichtigen Gruppe 47 verblieben. Während Enzensberger immer mal wieder von sich reden macht, wenn er zum Beispiel in der FAZ empfiehlt, das Smartphone wegzuwerfen, hat sich Martin Walser, seit dem Eklat um seine Rede in der Frankfurter Paulskirche, weitgehend ins Private zurückgezogen. Das scheint verständlich, denn Walser focht seine Konflikte im Rampenlicht aus. Der Autor vom Bodensee war in der öffentlichen Wahrnehmung erst als Kommunist, dann als Antisemit verschrien, womit ihn die zwei schwersten Vorwürfe trafen, die in Deutschland überhaupt erhoben werden können. Deswegen lässt sich an seinem Leben auch eine Geschichte der Bundesrepublik im pars pro toto erzählen, denn Martin Walser war ein ständiger Begleiter der großen Konfliktlinien dieses Landes. Weiterlesen

Jörg Magenaus „Princeton 66“: Ein Käfig voller Narren

Für die Gruppe 47 war der Besuch in Princeton der Auftritt auf der ganz großen Bühne, bevor sie ein Jahr später ein unrühmliches Ende finden sollte. 1967 in Waidenfeld wollte die sozialistisch-aufgepeitschte Jugend von ihnen nichts mehr wissen und trieb sie mit ihren „Dichter, Dichter“-Rufen in ihrem Hotel, der Pulvermühle, zusammen. Das mussten sie ein Jahr zuvor nicht fürchten. Die amerikanischen Studenten waren damit beschäftigt, den eigenen Staat für den Vietnam-Krieg anzuklagen. Dieses Princeton-Treffen im Jahr 1966 war vieles: ein letztes Aufbäumen einer literarischen Nicht-Gruppe, die die Nachkriegszeit dominiert hat, ein heftiger Kampf über die Frage, wie es die Versammelten mit der Literatur und der Politik hielten und die Geburtsstunde einer öffentlichen Figur namens Peter Handke, der ein eigentümlicher Revolutionär war. Mit Jörg Magenaus „Princeton 66“ ist nun endlich ein Text erschienen, der all diese Diskussionen, Episoden und Szenen in einem furiosen Buch zusammenführt, das zu dem besten gehört, was auf dem Feld des Sachbuchs in letzter Zeit erschienen ist. Weiterlesen

Marcel Reich-Ranicki: Die Verteidigung der Kritik

Bloggern wird mitunter vorgeworfen, sie führen zu selten die theoretische Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Tätigkeit. Dabei ist diese zu bestimmen gar nicht so einfach, schließlich könnte das Bild, das alleine die deutschen Buchblogger ergeben, heterogener kaum sein. Zwar ist den professionellen Feuilletons längst eine ernstzunehmende Konkurrenz erwachsen – auch darüber ließe sich so manch wütender Angriff aus den journalistischen Reihen erklären – doch wo die Reise am Ende hingeht, ist offen: schließlich sind so gut wie alle Blogs immer noch im Freizeitstatus und dadurch stetig von Zeitnot oder Perspektivlosigkeit bedroht. Doch die Bekanntheit, die manch ein Vertreter der neuen Zunft mittlerweile erlangt hat, entlässt nicht aus der Verantwortung, sich ständig zu fragen: Was soll das ganze eigentlich? Wen könnte man da besser befragen als den schmerzlich vermissten Marcel Reich-Ranicki. Weiterlesen