Schlagwort: Mythologie

Benjamin Steins „Das Alphabet des Rabbi Löw“: Die Magie der Buchstaben

Die deutschsprachige Gegenwartsliteratur wird dominiert von realistischen Prosatexten mit starkem Wirklichkeitsbezug. Das Name-Dropping bekannter Orte, Namen oder Marken wird im monumentalen BRD-Roman von Frank Witzel oder Richters „89/90“ zelebriert, unnütze Details erzeugen einen Wirklichkeitseffekt in der Literatur, der möglichst genau eine Realität abbilden möchte, die unserer eigenen möglichst nahe kommt. Immer seltener finden sich sich fantastische oder mystische Elemente, Übernatürliches wird meist als Trivialliteratur verpöhnt.
Benjamin Stein ist mit seinem Roman „Das Alphabet des Rabbi Löw“, der neuaufgelegten Bearbeitung seines bereits 1995 erschienenen Debütromans, ein bemerkenswerter Text gelungen, der sich gegen Wirklichkeitsbezüge und für das Mystische entscheidet. Weiterlesen

Der Höllenschlund: Philip Krömers „Ymir“

Jan Brandt, Klaus Merz und Terézia Mora, die Jury des Berliner Literaturwettbewerbs open mike im vergangenen Jahr, konnte Philip Krömer bedauerlicherweise mit seinem Text „der eine der andere“ nicht überzeugen. Wahrscheinlich lag dies vor allem daran, dass der vorgegebene und strickt einzuhaltende Zeitrahmen von 15 Minuten nicht reichte, um seine herrliche Erzählung über den österreichischen Nachkriegs-Avantgardisten H.C. Artmann und den „Werwolf von Hannover“ Fritz Haarmann zu Ende zu lesen. Ausgezeichnet wurde Krömer (zum Glück) trotzdem, und zwar mit dem taz-Publikumspreis. Nun hat er mit „Ymir oder aus der Hirnschale der Himmel“ sein Romandebüt vorgelegt. Weiterlesen