Schlagwort: Neue Sachlichkeit

Irmgard Keun: Kindermund tut Unsinn kund

Auf der letzten Seite von Anna Seghers atemberaubenden Roman „Transit“ heißt es: „Sie läuft noch immer die Straßen der Stadt ab, die Plätze und Treppen, Hotels und Cafés und Konsulate auf der Suche nach ihrem Liebsten. Sie sucht rastlos nicht nur in dieser Stadt, sondern in allen allen Städten Europas, die ich kenne, selbst in den phantastischen Städten fremder Erdteile, die mir unbekannt geblieben sind. Ich werde eher des Wartens müde als sie des Suchens nach dem auffindbaren Toten.“ Das Leben im Wartestand, das Verharren in Transiträumen waren Schicksale, die viele der Exilanten während des Dritten Reichs erleiden mussten. Sie wurden zu Kosmopoliten wider Willen: Weltreisen als Fluchtgeschichten. Auch Irmgard Keun war eine dieser Exilanten, obgleich sie noch während des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland zurückkehrte. Dieses Thema verarbeitete sie im 1938 erschienen Roman „Kind aller Länder“, der nun von Kiepenheuer & Witsch neuaufgelegt wurde. Weiterlesen

Zwischen Wedding und Gesundbrunnen: Georg Finks „Mich hungert“

Mit „Mich hungert“ legt der Berliner Metrolit-Verlag einen Roman auf, der 1929 erstmalig erschien. Am 10. Mai 1933 stand er auf der ersten schwarzen Liste der „schönen Literatur“, die den Nazis als Grundlage für die Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz diente. Nach 1945 geriet es in Vergessenheit. Auch wenn es verboten war: wie kann ein Buch, das laut des Vorworts ein nicht nur deutscher, sondern in dreizehn Sprachen übersetzter internationaler Bestseller war, bis ins Jahr 2014 ohne Neuauflage bleiben? Wer die knapp dreihundert Seiten liest, kennt die Antwort: „Mich hungert“ ist schlicht kein literarisches Meisterwerk.

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