Schlagwort: Novelle

„Auserwählt, um Widerstand zu leisten“: Jan Wehns „Morgellon“

Wehn-Morgellon

Noah Zimmermann hat ein Urlaubssemester genommen und sich in die – noch unveränderte – Wohnung seines kürzlich verstorbenen Großvaters einquartiert. Die unter der Matratze versteckten Bargeldreserven sorgen für das leibliche Wohl des Studenten, der von dem Geld Pizza bestellt oder seinen alten Freund und Ärztesohn Sven dafür bezahlt, dass dieser ihm mit Vatis Rezeptblock bei der Beschaffung von Medikamentennachschub hilft, seit die Vorräte des Großvaters an Benzodiazepinen zur Neige gehen. In seiner Debütnovelle „Morgellon“ erzählt Jan Wehn vom Abschied aus der Realität und dem neuen Weltbild zwischen Chemtrails und der ‚GmbH Deutschland‘, der immer mehr Menschen Glauben schenken. Weiterlesen

Anfang oder Ende? Julia Wolfs „Walter Nowak bleibt liegen“

Bei den 40. Tagen der deutschsprachigen Literatur im letzten Sommer las Julia Wolf in Klagenfurt ihren Text „Walter Nowak bleibt liegen“. Mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis wurde sie nicht ausgezeichnet, wohl aber mit dem 3sat-Preis. Nun ist unter dem gleichen Titel der vollständige Roman erschienen. Weiterlesen

Bodo Kirchhoffs „Widerfahrnis“: Immer der Sonne entgegen

Erst „Die Witwen“, jetzt „Widerfahrnis“: Ein Trend, der sich auf der diesjährigen Longlist zum Deutschen Buchpreis beobachten lässt, manifestiert sich im Motiv des Roadmovie. Diesmal sind nicht vier Frauen und ein Mann am Moselufer entlang, sondern eine Frau und ein Mann, in ihrem Cabrio Richtung Süden unterwegs: Ein spontaner Kurztrip, drei Tage lang immer dem Meer entgegen. Auch wenn die Figurenkonstellationen unterschiedlich sind, „Die Witwen“ und „Widerfahrnis“ verbindet, dass ihre Protagonisten nicht abenteuerlustige Jugendliche wie etwa in Herrndorfs „Tschick“, sondern gestandene Männer und Frauen in ihren Sechzigern sind, die sich auf die Reise machen und die vor allem vor etwas wegzulaufen scheinen.

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Tausendundeine Nacht in der Finanzkrise: Jonas Lüschers „Frühling der Barbaren“

Bereits 2013 erschien die schmale Debütnovelle von Jonas Lüscher, die es im Erscheinungsjahr auf die Longlist des Deutschen Buchpreises schaffte. Der in sieben Kapitel gegliederte Text ist die Geschichte einer Eskalation, die es in sich hat. Der Text thematisiert inhaltlich zeitgeschichtliche, aktuelle Themen wie die Finanzkrise und den arabischen Frühling, erzählt sie aber anhand traditionellen Ritus-Motiven in der Form einer klassischen Novelle. Weiterlesen