Schlagwort: Olga Grjasnowa

Von Damaskus nach Berlin: Olga Grjasnowas „Gott ist nicht schüchtern“

Grjasnowa_Gott ist nicht schüchtern

Wie nah darf und wie nah muss Literatur sein? Darf man von ungeheurem Leid erzählen, wenn man es selbst nicht erlebt hat? Und wie kann man das Unaussprechliche verbalisieren? Olga Grjasnowa, die neuerdings bei Aufbau verlegt wird, erzählt in ihrem dritten Roman „Gott ist nicht schüchtern“ die Geschichte einer jungen Frau und einem jungen Mann aus Syrien, vom Bürgerkrieg und der Flucht nach Europa. Weiterlesen

Eugen Ruge: Den Blick nach Osten

Die deutsche Literatur schaut in den Osten – und der Osten schaut zurück. Olga Grjasnowa, Katja Petrowskaja oder Nino Haratischwili sind Repräsentantinnen einer unübersehbaren Bewegung von deutschen Schriftstellerinnen, die ihre Wurzeln in Osteuropa haben und in deutscher Sprache die verlassene oder verlorengegangene Heimat thematisieren. Auch Eugen Ruge hat seine ersten Lebensjahre in Russland verbracht und passt gleichzeitig so gar nicht in diese Reihe. Er ist in jenem sibirischen Tiefland geboren, in das sein Vater, Wolfgang Ruge, deportiert wurde. Damit bildet seine Biographie das Muster für eine intrikate Konstellation: Die Sowjetunion als Vorbild realsozialistischen Welt, das gleichzeitig dessen Schlächter ist.

2011 kam sein Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ heraus, der genau diese Konstellation aufgreift. Weiterlesen

Berlin oder Baku? Olga Grjasnowa’s „juristische Unschärfe einer Ehe“

Nach ihrem ersten Roman Der Russe ist einer, der Birken liebt publizierte die Leipziger Literaturinstituts-Absolventin Olga Grjasnowa 2014 ihren zweiten Roman Die juristische Unschärfe einer Ehe. Auf der Figurenebene und thematisch ähneln sich der Zweitling und das Romandebüt stark: eine junge Protagonistin mit ursprünglich kaukasischer Herkunft, die nun in Deutschland lebt, flüchtet vor ihren Gefühlsverwirrungen und Beziehungsproblemen und unternimmt eine Reise, die sie zurück zu ihren Wurzeln führt.
In Die juristische Unschärfe einer Ehe ist es nicht mehr die Übersetzerin Mascha, sondern die Ballerina Leyla, die jedoch ebenfalls Baku stammt und nun nicht in Frankfurt, sondern in Berlin lebt. Als Berlin Leyla in die Knie zwingt [Ja, es ist ein Berlin-Roman!] verlässt sie die Stadt. Ihre Reise führt nicht nach Israel, sondern zurück nach Aserbaidschan, Georgien und Armenien. Stärker ins Zentrum rückt die Frage nach der gleichgeschlechtlichen bzw. bisexuellen Orientierung der Figuren. Die „juristisch unscharfe“ Ehe – das ist die Ehe zwischen Leyla, die Frauen liebt, vor allem sich selbst, und Altay, der Männer liebt, und eben Leyla. Weiterlesen