Schlagwort: Parabel

Ernst Augustin: „Der Kopf“ ist eine Schachtel

Wer es zugespitzt mag, könnte sagen: Peter Handke hat Ernst Augustin verhindert. Viele werden fragen: Ernst Augustin? Der deutschsprachige Autor schien lange unter dem Radar zu fliegen – so lange, dass sich in der Kritik das Wort vom „ewigen Geheimtipp“ verfestigt hatte – bis er es mit seinem Roman „Robinsons blaues Haus“ 2012 unerwartet erst auf die Long-, dann auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis schaffte. Augustins halbschattige Existenz im Literaturbetrieb hat sicherlich viele Gründe, doch eine Spur führt zur Tagung der Gruppe 47 in Princeton. Im April 1966 war die Stunde eines jungen Österreichers gekommen: Die einst so wirkmächtige und richtungsweisende Gruppe 47 hatte sich zu einer ihrer letzten Treffen als Delegation zusammengefunden, um an der Universität Princeton zu tagen. Aus der einstigen Avantgarde waren mittlerweile etablierte, erfolgreiche Autoren geworden. Nun gehörten die Schriftsteller Walser, Enzensberger, Grass etc. selbst zum Establishment und den gängigen Mechanismen entsprechend, scharte die jüngere Generation nun mit den Hufen, die alten Herren vom Thron zu stoßen. Weiterlesen

Ernst Jünger: Das Dritte Reich als Schrebergarten

Kaum ein Schriftsteller kann so ausführlich vom 20. Jahrhundert Zeugnis ablegen wie Ernst Jünger – und das nicht nur aufgrund seines methusalemischen Alters. Ernst Jüngers Lebenslauf könnte man als Parabel der jüngeren deutschen Geschichte lesen: Seine soldatische Begeisterung für den Krieg, sein ambivalentes Verhältnis zum Dritten Reich und sein Rückzug in die Privatheit nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine Sonderstellung nimmt dabei sein 1939 erschienener Roman „Auf den Marmorklippen“ ein – eine Parabel auf Nazideutschland oder (wofür Ernst Jünger stets plädierte) auf totalitäre Gesellschaften im Allgemeinen. Im Dritten Reich nicht verboten, aber verpönt erzählt er die Geschichte einer fiktiven Gesellschaft am Rande des Untergangs. Weiterlesen