Schlagwort: Paris

Nadja Spiegelmans „I‘m supposed to protect you from all this“: Meine geniale Mutter

Spiegelman-Memoir

„What Ferrante did for female friends—exploring the tumult and complexity their relationships could hold — Spiegelman sets out to do for mothers and daughters. She’s essentially written ‚My Brilliant Mom’“, konstatiert Katy Waldman in ihrer Rezension zu Nadja Spiegelmans Memoir, das im März unter dem Titel „Was nie geschehen ist“ im Aufbau Verlag in deutscher Übersetzung erscheinen wird. Wird Spiegelman diesem Maßstab wirklich gerecht? Weiterlesen

Markus Orths‘ „Max“: Der Tanz auf dem Vulkan

Das Genre der „Faction“ hat Konjunktur. Im Kino kennzeichnet man es mit dem Hinweis „Nach einer wahren Begebenheit“, im Fernsehen spricht man von „Dokutainment“, wenn den historischen Quellen nun auch von Schauspielern nachgestellte Szenen beigegeben werden, die – im Regelfall sehr albern – Momente der Geschichte anschaulich machen sollen. Auch in der Literatur erfreut sich die Gattung besonders in den letzten Jahren großer Beliebtheit: Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“, Krachts „Imperium“, Hettches „Pfaueninsel“: All diese Romane erzählen von realhistorischen Figuren und Ereignissen, gestalten sie aber literarisch aus, erfinden dazu, lassen weg. Mit Markus Orths’ „Max“ erscheint nun ein weiteres Buch des Genres. Weiterlesen

Tilman Rammstedts „Morgen mehr“: Der Til Schweiger-Film unter den Romanen

Manche Bücher waren nie dafür geschaffen, Bücher zu werden. Dazu gehört sicherlich Wolfgang Herrndorfs „Arbeit und Struktur“, das in Buchform immer noch ein erschütternder Text ist, aber dessen Form als Blog den langsamen Verfall eines Autors und dann das Verstummen ganz unmittelbar erfahrbar gemacht hat. Auf den nächsten Blogeintrag zu warten, der dann nicht kommt, schafft eine andere Wirkung als den letzten, erwartbaren Absatz eines Buches zu lesen und jenes dann zuzuschlagen. Die Entscheidung, „Arbeit und Struktur“ dann doch handelsüblich zu veröffentlichen, ist ein Symptom dafür, dass unsere Buchkultur noch keine Werkzeuge dafür gefunden hat, mit derlei Textformen umzugehen. Ein weniger dramatischer Fall ist Tilman Rammstedts „Morgen mehr“. Dieser war zuerst als Fortsetzungsroman im Internet zugänglich, Abonnenten konnten nicht nur lesen, sondern auch kommentieren, diskutieren. Die Form des Fortsetzungsromans ist keine neue und in den meisten Fällen sind jene auch irgendwann als kompletter Text erschienen. „Morgen mehr“, unlängst bei Hanser erschienen, hätte jedoch lieber dort bleiben sollen, wo es herkommt. Denn dieser Roman ist ein Event, um das sich eine Community scharen kann, aber keine gute Literatur. Weiterlesen

Träumst du noch oder lebst du schon? Gaito Gasdanows „Die Rückkehr des Buddha“

Viel Kafka und ein bisschen Bulgakow – das ist „Die Rückkehr des Buddha“ von Gaito Gasdanow. Der Text wurde erstmalig als zweiteiliger Fortsetzungsroman in der russischen Exil-Literaturzeitschrift „The New Review“ in New York zwischen 1949 und 1950 veröffentlicht. Der Hanser Verlag, der bereits 2012 Gasdanows bekannteren Roman „Das Phantom des Alexander Wolf“ herausgab, hat den Roman erneut zugänglich gemacht und trägt damit maßgeblich zur Wiederentdeckung von Gasdanows Werk im deutschsprachigen Raum bei. Weiterlesen