Schlagwort: Paul Celan

Mohn und Gedächtnis: Böttigers Doppelbiographie über Ingeborg Bachmann und Paul Celan

Es ist die vielleicht bedeutendste, die vielleicht tragischste und die vielleicht schönste Beziehung der Literaturgeschichte: Im Frühling 1948 lernen sich die 22-jährige Ingeborg Bachmann und der 27-jährige Paul Antschel, der unter dem Pseudonym Paul Celan Gedichte veröffentlicht, in Wien kennen. Sie verleben sechs gemeinsame Wochen, bis Celan nach Paris weiterzieht. Spätestens seit der Veröffentlichung des Briefwechsels der beiden Schreibenden, die ohne Zweifel zu den wichtigsten lyrischen Stimmen des 20. Jahrhunderts zählen, ist das Ausmaß jener Beziehung auch für Nicht-Literaturwissenschaftler, die sich bereits zuvor mit dem evidenten Verbindungen im Werk beschäftigten, deutlich. Helmut Böttiger, der bereits vor einigen Jahren eine umfassende Monographie zur Geschichte der Gruppe 47 veröffentlichte, hat in seinem neuen Buch die Beziehung von Bachmann und Celan zu ordnen, zu analysieren, zu fassen versucht. Weiterlesen

Wie alles begann. Joseph McVeigh: „Ingeborg Bachmanns Wien“

Ingeborg Bachmann gehört seit Jahren zu den Lieblingsautorinnen der deutschsprachigen Literaturwissenschaft. Zu kaum einer anderen Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts gibt es eine vergleichbare Masse an Forschungsliteratur, biografischen Betrachtungen und interdisziplinären Studien, obwohl das zu Lebzeiten veröffentlichte Werk mit zwei Lyrikbänden, ein dutzend weiterer Gedichte, zwei Erzählbänden und einem Roman nicht besonders umfangreich ist. Die Forschungslust liegt nicht zuletzt darin begründet, dass aufgrund von Bachmanns „Nachlassangst“ und Diskretionsbedürfnis wenig über die Umstände der Entstehung des Werks bekannt war. Die langsame Öffnung des Nachlasses ermöglichte in den letzten zwanzig Jahren neue Erkenntnisse. Joseph McVeigh widmet sich in „Ingeborg Bachmanns Wien“ den frühen Jahren der Schriftstellerin und bedient sich dazu aus neuen, bisher wenig beachteten Quellen. Weiterlesen