Schlagwort: Pfaueninsel

Thomas Hettches „Unsere leeren Herzen“: „So schönes Wetter, und – ich noch dabei“

Gibt es eine allgemeine, zeitlose Funktion der Literatur? Die Antwort auf diese Frage lauter ganz klar: Jein! Literatur, wie sie aus dem westlichen Verständnis kommt, hat sich schon immer mit den Gesellschaften, derer sie entspringt, verändert. Mal neigt sie sich ins politische Engagement, mal zieht sie sich in den Ästhetizismus zurück, mal wird sie gar von Ideologien gekapert. Literatur ließe sich anders auch schwer denken – auch wenn die Poststrukturalisten gelehrt haben, den Autor hinter dem Text verschwinden zu lassen, können (und wollen) auch sie nicht die menschliche und damit gesellschaftliche Hand hinter dem Text leugnen. Auf der anderen Seite hat die Literatur auch immer eine, unveränderliche Aufgabe übernommen: Unsere leeren Herzen (und Köpfe) zu füllen. Darüber, was es heißt, im 21. Jahrhundert Literatur zu denken und vor allem sie gegen ihre Gegner zu verteidigen, hat Thomas Hettche nun einen grandiosen Essayband geschrieben. Weiterlesen

Thomas Hettche: Pfaueninsel

Berlin baut seine Schlösser wieder auf. Zum Produkt jener Nostalgie gehört nicht nur das umstrittene Stadtschloss im Zentrum der Hauptstadt, sondern auch das königliche Refugium der Preußen auf der Pfaueninsel inmitten der Havel, welches Thomas Hettche in seinem gleichnamigen Roman wieder auferstehen lässt. Er erzählt von den Bewohnern und den Veränderungen auf der Insel zwischen 1810 und 1880, die der Leser in erlebter Rede durch die Figur des kleinwüchsigen Schlossfräuleins Maria Dorothea Strakon wahrnimmt und in deren Lebensgeschichte sich das Jahrhundert verdichtet: „Die Insel und sie, das wußte sie, waren eins.“  Weiterlesen