Schlagwort: Philip Roth

Lisa Hallidays „Asymmetry“: Kein Anschluss unter dieser Nummer

Philip Roth hatte jahrelang teuflische Rückenschmerzen. Philip Roth zog im hohen Alter nach New York. Philip Roth war jüdisch und kam aus New Ark. Roth liebte Essen aus dem Deli. Er hatte ein Faible für die europäischen Schriftsteller, allen voran Kafka und Thomas Mann. Philip Roth hatte wohl selbst damit gerechnet, dass er irgendwann mal den Nobelpreis erhält. Und Philip Roth hatte einen feinen Humor. All das wusste man über Philip Roth und es bestimmte sein öffentliches Bild. Man meinte dies auch zu wissen, weil Roth diese Themen immer wieder selbst in seinen Romanen thematisiert hat und dutzende Figuren geschaffen hat, allen voran Nathan Zuckerman, die immer wieder zu Alter Egos erklärt wurden. Roth öffentliches Bild war also immer ein Amalgan aus der historisch verbürgten Person und verschiedenster literarischer Figuren. So scheint es folgerichtig, dass der US-amerikanische Schriftsteller in Lisa Hallidays „Asymmetry“ nach seinem Tod als Figur wieder auftaucht. Weiterlesen

Philip Roths „I Married a Communist“: „The tyrant of evil is Everyman!“

Wut, Wut, Wut wohin man schaut. Rund um die Welt berufen sich Politiker auf die Wut der Bevölkerung. Vor allem die USA scheinen momentan ein besonders wütendes Land zu sein, was Trump ins Weiße Haus getragen hat. Die Vereinigten Staaten hatten viele wütende Jahrzehnte, eines davon waren die Fünfziger Jahre. Dabei hätte alles so schön sein können: Aus dem Zweiten Weltkrieg war man als Hegemon der westlichen Welt herausgegangen, die Wirtschaft brummte so stark, dass das Versprechen auf Reichtum für Jedermann greifbar schien. Doch etwas verhinderte, dass man sich auf den Lorbeeren der Errungenschaften ausruhte: das Gespenst des Kommunismus. Während man im Außen den blutigen Koreakrieg führte, verfolgte der US-Senator Joseph McCarthy alle vermeintlichen kommunistischen Umtriebe im Inneren. Auch McCarthy wurde von Wut getrieben, von heiliger Wut, was wiederum Verbitterung auf der Gegenseite auslöste. In Philip Roths „I Married a Communist“ bekommt dieser Konflikt ein literarisches Gesicht. Weiterlesen

Saul Bellows „Herzog“: „His happiness was painful.“

Bellow-Herzog

Die Ich-Erzählung ist gegenwärtig die dominante Erzählperspektive in der deutschsprachigen Literatur. Sie verspricht Unmittelbarkeit, versucht erst gar nicht so etwas wie Objektivität vorzugaukeln und hat die Allmacht des auktorialen Erzählers des 19. und 20. Jahrhundert verloren. In ihr lassen sich innere Vorgänge nicht mehr ohne weiteres von äußeren trennen, jede Wahrnehmung ist vom Ich bestimmt. Auch wenn der Ich-Erzähler nicht exklusiv der Autobiographie vorbehalten ist, birgt er immer die Versprechung auf eine Instanz, die für das Erzählte einsteht, zur Not auch mit dem Leben. Welch Irrsinn! Wer heute noch mal Saul Bellows „Herzog“ liest, kann die Dominanz des Ichs nur bedauern. Weiterlesen

Philip Roths & Ewan McGregors „American Pastoral“: Die naive Nation

Philip Roths „American Pastoral“ gehört zu den bedeutenden Klassikern der modernen amerikanischen Literatur. Wie bei jedem Klassiker gibt es auf der einen Seite die Sehnsucht nach einer Verfilmung und auf der anderen Seite die Behauptung der Unverfilmbarkeit. Nun hat es Ewan McGregor gewagt und scheint damit – wie der Großteil der Kritiken glauben machen will – auf die Nase gefallen zu sein. Dabei stand die Produktion von Beginn an unter keinem guten Stern. Kurz vor den Dreharbeiten sprang der eigentlich vorgesehene Regisseur ab, womit McGregor in die Situation kam, sich bei seinem Regiedebut gleich mit Philip Roth zu messen. Tatsächlich ist die Verfilmung allenfalls Anlass, den Roth-Text noch einmal aufzuschlagen; das ist dann aber in jedem Fall ein Ereignis. Weiterlesen