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Mareike Krügels „Sieh mich an“: Das Leben, das keiner wollte

Plötzlich wacht man auf und weiß: Das war es nun. Das Leben wird keine Überraschungen mehr für einen übrig haben, alles ist eingerichtet. Wie konnte das Leben so werden wie es ist? Wo hat man die falsche Abzweigung genommen und wieso hat man es nicht früher kommen sehen? Die Frage danach, wie determiniert das Leben ist, hat die Literatur schon immer fasziniert. Bei Thomas Mann lernt man, dass Familien so etwas wie Schicksalsgemeinschaften sind, die Gesetzmäßigkeiten folgen, Max Frisch setzte der Sehnsucht nach der Flucht aus dem eigenen Leben das Spiel mit der Identität entgegen und die Ronja von Rönnisierte Literatur der Millenials klagt vor allem darüber, dass eigentlich alles gut, aber doch irgendwie langweilig ist. Auch Mareike Krügels neuer Roman „Sieh mich an“ geht der Frage nach, wie eigentlich alles so weit kommen konnte. Weiterlesen

„Böhmisch klingt es.“ Höller/Larcati: „Ingeborg Bachmanns Winterreise nach Prag“

Bachmanns Winterreise nach Prag

Der Mythos Ingeborg Bachmann ist ungebrochen. Der 1926 in Kärnten geborenen Schriftstellerin, die als Lyrikerin nach ihrem legendären Auftritt bei einem Treffen der Gruppe 47 im Sommer 1952 einen kometenhaften Aufstieg feierte, bis sie nach nur zwei Gedichtbänden der Lyrik abschwor und sich der Prosa zuwandte, wird sowohl in der literaturwissenschaftlichen Forschung als auch in der breiten Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit zuteil. Auch ihre beiden Verlage – Piper und Suhrkamp – würdigen das Werk der Österreicherin mit einer großen, auf dreißig Bände ausgelegten Werkausgabe, dessen ersten beiden Bände im kommenden Februar erscheinen werden. Hans Höller und Arturo Larcati, zwei namenhafte Bachmann-Forscher, haben dies zum Anlass genommen, um mit „Ingeborg Bachmanns Winterreise nach Prag“ einen Band zur späten Lyrik der Autorin vorzulegen. Weiterlesen

Zeitgeist-Studien: Mirna Funks „Winternähe“

Winternähe heißt der in diesem Sommer erschienene Debütroman von Mirna Funk, der von Lola, einer jüdischen Berlinerin in ihren frühen Dreißigern, ihrer Familie und der Suche nach ihrer Identität erzählt, die sie zunächst in Tel Aviv, später in Bangkok zu finden hofft. Winternähe ist ein Text über Selbstfindung und Genealogie, aber vor allem ein Gesellschaftspanorama, das den Zeitgeist [die erzählte Zeit reicht von 2012 bis 2014] in junger, ungezwungener Sprache einfängt und neueste Geschichte literarisiert. Zu dieser Zeit hielt sich Funk selbst in Israel auf und berichetete für das Magazin Interview; die Schilderungen in Tel Aviv können durchaus als Zeitzeugnis gelesen werden. „Winternähe“ – mit diesem titelgebenden Neologismus umschreibt Mirna Funk in ihrem literarischen Debüt „ein Band“, dass „alle haben zu jemandem oder irgendwas“ und das den gewordenen Menschen mit einem Stück Vergangenheit, einer Erinnerung oder Erfahrung, verbindet.  Weiterlesen