Schlagwort: Prix Goncourt

Éric Vuillards „Die Tagesordnung: „Die Literatur erlaubt alles, heißt es.“

Wer Vuillards Werk begleitet, folgt einem faszinierenden literarischen Blick in die Geschichte. In „Kongo“ erzählte er von der aufgeblasenen Art, wie die europäischen Mächte die letzten Reste Afrikas unter sich aufteilten und wie sie in ihrem grausamen Hochmut Millionen von Menschen in den Hungertod trieben. In „Die Traurigkeit der Erde“, seinem wohl bislang besten Buch, betreibt er eine großartige Reflexion über das Wesen des Spektakels und Medienwandel. Nun, in „Die Tagesordnung“, das durch den Gewinn des Prix Goncourt mit einigen Vorschusslorbeeren in Deutschland angekommen ist, nimmt er sich den Anschluss Österreichs vor und entschleiert ein treibendes Prinzip der Historie: die Hochstapelei. Weiterlesen

Éric Vuillards „Traurigkeit der Erde“: Spektakuläre Wirklichkeit

Die USA sind ein so großes Land, dass sie sich mit gutem Gewissen mehrere Gründungsmythen leisten können. Da wäre die Boston Tea Party, dicht gefolgt von der Unabhängigkeitserklärung. Das Ende des Bürgerkriegs kommt wohl noch dazu, wenn auch mit dunklen Untertönen. Und dann wäre da natürlich die – durch den kolonialen Blick gesehen – Eroberung des Wilden Westens. Die Besiedlung des Westens hat schon immer kunststiftend gewirkt, schließlich hat sich ein ganzes Genre danach benannt. Wie medienträchtig dieser Teil der amerikanischen Geschichte ist, hat wohl niemand so schnell begriffen wie Buffalo Bill, der ein ganzes Showbusiness um seine Wild West-Aufführungen aufgebaut hat. Diesem Thema hat sich der diesjährige Prix Goncourt-Träger Éric Vuillard in seiner Erzählung „Traurigkeit der Erde“ angenommen. Er stellt darin die faszinierende Frage, worin der Gründungsmythos des modernen Amerikas eigentlich steckt: im Ereignis selbst oder in dessen medialer Wiederaufführung. Weiterlesen