Schlagwort: Propaganda

Steffen Kopetzkys »Propaganda«: Boys will be Boys

Während der Zeiten der Studentenproteste ’68 gab es einen beliebten Kampfspruch: »USA SA SS«. Das Verhalten Amerikas, gerade in Hinblick auf den Vietnamkrieg, sollte damit in die Nähe der Gräuel der Nationalsozialisten gerückt werden. Linke Renegaten wie Henryk M. Broder oder Götz Aly haben darin im Nachhinein einen psychologischen Reflex gesehen, die eigene Schuld den einstigen Siegermächten überzustülpen. Zwar kommt man nicht umhin, den Vietnamkrieg in der Nachbetrachtung als einer der schrecklichsten kriegerischen Auseinandersetzung der Post-Zweite-Weltkriegs-Epoche zu nennen, doch diesen Schlachtruf gerade aus deutschen Mündern zu hören, hat etwas Infames. Rund fünfzig Jahre später erklingt er erneut – dieses Mal aus den Buchdeckeln des neuen Romans von Steffen Kopetzky: »Propaganda«. Weiterlesen

Oliver Hilmes‘ „Berlin 1936“: Sechzehn Tage Farce

Das Jahr 1936 bedeutete für das Dritte Reich die Rückkehr auf die große Weltbühne. Nach drei Jahren der innerpolitischen und –parteilichen Konsolidierung wagten die Nationalsozialisten im März ihren ersten großen Streich. Frühmorgens marschierten plötzlich Verbände der Wehrmacht ins Rheinland ein, die deutsche Reichsführung brach damit internationale Verträge, was jedoch in der europäischen Öffentlichkeit nur zarte Proteste provozierte. Die Westmächte waren kriegsmüde und hatten wenig Interesse daran, eine Eskalation herbeizuführen. Im gleichen Jahr fand jedoch auch die größte Publicity-Aktion des Dritten Reiches statt. 1936 waren die Olympischen Spiele nach Berlin gekommen. Es war der erste und letzte große Versuch, Nazi-Deutschland vor den Augen der Welt ein freundliches Gesicht zu geben und seine wahren Absichten zu verschleiern. Diesen sechzehn Tagen hat Oliver Hilmes nun einen kaleidoskopischen Text gewidmet, kundig und hochinteressant. Weiterlesen