Schlagwort: Psychoanalyse

Ferdinand von Saars „Leutnant Burda“: „Heute würde man ihn wohl einen Stalker nennen.“

Es ist ein kurzer Weg vom ‚Leutnant Burda‘ zum ‚Leutnant Gustl‘“, schlussfolgert Daniela Strigl im Nachwort zum nun im Kampa Verlag wiederaufgelegten „Leutnant Burda“. Geschrieben hat die Novelle Ferdinand von Saar, ein österreichischer Klassiker des 19. Jahrhunderts, der über die Landesgrenzen hinaus mittlerweile fast vergessen ist. Mit dem „Leutnant Gustl“ wird hingegen jedes zweite deutschsprachige Schulkind konfrontiert, Arthur Schnitzler gilt als der Stellvertreter der Wiener Moderne. Worin besteht dieser kurze Weg zwischen dem Literaturweltstar Arthur Schnitzler und dem Österreichischen Insider Ferdinand von Saar? In Sachen Bekanntheit trennt sie ein ganzer Marathon, auch was die ästhetische Avanciertheit betrifft. Doch wenn es um die Darstellung des Manischen geht, dann ist von Saar ganz Wiener. Weiterlesen

‚Sei doch nicht gleich so hysterisch‘: Katharina Adlers „Ida“

Die Couch von Dr. Sigmund Freud gehört als Symbol der Psychoanalyse zum festen Interieur des 20. Jahrhunderts. Ziel der Therapie bei Freud ist es, die Lebensgeschichte des zu Behandelnden zu vervollständigen, eventuelle Lücken oder Widersprüche, die nach Freud ein möglicher Grund für die Symptome sein können, aufzulösen. Eine seiner prominentesten Patientinnen, Ida – besser bekannt als Dora –, bricht die ‚Redekur‘ im Jahr 1900 nach knapp drei Monaten vorzeitig ab. Katharina Adler hat sich nun Freuds Therapiemodell zum Vorbild genommen und die Lebensgeschichte von Ida Bauer, ihrer Urgroßmutter, in ihrem Debütroman vervollständigt. Weiterlesen

Ein deutscher Japaner in Paris: „Der Fuchs und Dr. Shimamura“

1906 schrieb der deutsche Psychiater Dr. Ernst Jentsch in seinem Aufsatz „Zur Psychologie des Unheimlichen“: „Der Naturmensch bevölkert seine Umgebung mit Dämonen, kleine Kinder sprechen in allem Ernste mit einem Stuhle, ihrem Löffel, einem alten Fetzen u.s.w. und schlagen voll Zorn auf leblose Dinge ein, um sie zu strafen. Selbst im hochcultivierten Hellas wohnte noch eine Dryas in jedem Baum. Es ist deshalb nicht erstaunlich, wenn den Menschen das, was er selbst von seinem eigenen Wesen halbbewusst in die Dinge hineingelegt hat, jetzt an diesen Dingen wiederum zu schrecken beginnt, dass er die Geister, die der eigene Kopf erschuf, aus diesem nicht immer zu bannen im Stande ist.“ Weiterlesen