Schlagwort: Psychologie

‚Sei doch nicht gleich so hysterisch‘: Katharina Adlers „Ida“

Die Couch von Dr. Sigmund Freud gehört als Symbol der Psychoanalyse zum festen Interieur des 20. Jahrhunderts. Ziel der Therapie bei Freud ist es, die Lebensgeschichte des zu Behandelnden zu vervollständigen, eventuelle Lücken oder Widersprüche, die nach Freud ein möglicher Grund für die Symptome sein können, aufzulösen. Eine seiner prominentesten Patientinnen, Ida – besser bekannt als Dora –, bricht die ‚Redekur‘ im Jahr 1900 nach knapp drei Monaten vorzeitig ab. Katharina Adler hat sich nun Freuds Therapiemodell zum Vorbild genommen und die Lebensgeschichte von Ida Bauer, ihrer Urgroßmutter, in ihrem Debütroman vervollständigt. Weiterlesen

Ernst Augustin: „Der Kopf“ ist eine Schachtel

Wer es zugespitzt mag, könnte sagen: Peter Handke hat Ernst Augustin verhindert. Viele werden fragen: Ernst Augustin? Der deutschsprachige Autor schien lange unter dem Radar zu fliegen – so lange, dass sich in der Kritik das Wort vom „ewigen Geheimtipp“ verfestigt hatte – bis er es mit seinem Roman „Robinsons blaues Haus“ 2012 unerwartet erst auf die Long-, dann auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis schaffte. Augustins halbschattige Existenz im Literaturbetrieb hat sicherlich viele Gründe, doch eine Spur führt zur Tagung der Gruppe 47 in Princeton. Im April 1966 war die Stunde eines jungen Österreichers gekommen: Die einst so wirkmächtige und richtungsweisende Gruppe 47 hatte sich zu einer ihrer letzten Treffen als Delegation zusammengefunden, um an der Universität Princeton zu tagen. Aus der einstigen Avantgarde waren mittlerweile etablierte, erfolgreiche Autoren geworden. Nun gehörten die Schriftsteller Walser, Enzensberger, Grass etc. selbst zum Establishment und den gängigen Mechanismen entsprechend, scharte die jüngere Generation nun mit den Hufen, die alten Herren vom Thron zu stoßen. Weiterlesen