Schlagwort: Rechtsradikalismus

Schrei nach Liebe? Lukas Rietzschels „Mit der Faust in die Welt schlagen“

Kaum ein Buch hat in diesem Literaturherbst so viel Aufmerksamkeit erfahren wie der Roman von Lukas Rietzschel. Buchhändler und Blogs wurden bereits Monate vor Veröffentlichung mit „Mit der Faust in die Welt schlagen“ beschickt, der Verlag lud Presse und BloggerInnen zu einem Tagesausflug samt Autor nach Sachsen ein, zum Erscheinungstermin gab es ein überdimensionales Schaufenster im Berliner Kulturkaufhaus Dussmann im Coverdesign und vor allem gab es jede Menge Presse. Das alles ist insofern überraschend, da es sich um einen Debütroman handelt. Rietzschels Buch wird als „das Buch der Stunde“ gehandelt – zu Recht? Weiterlesen

Manja Präkels‘: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“: Der Kapitalismus trägt Springerstiefel

Mit langen, lustigen Titeln ist es so wie mit T-Shirt-Sprüchen. Zuerst huscht ein Grinsen ins Gesicht, doch je länger man draufschaut, desto tiefer sinken die Mundwinkel. Warum das so ist, das hat Daniel Kehlmann im ZEIT-Interview zuletzt gut auf den Punkt gebracht: „Der Witz ist da, man lacht, man hat ihn verarbeitet – aber dann bleibt er da. Weil der Mensch das T-Shirt ja immer noch trägt. Aber der Witz sollte nicht mehr im Raum sein, nachdem er gewirkt hat. Und deswegen sollte man keine lustigen T-Shirts tragen!“ Ähnlich verhält es sich mit dem Titel von Manja Präkels Roman „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“. Hitler, das ist sowieso ein beliebtes Buzzword, mit dem man die Leute vom Hocker holt, und dazu noch Schnapskirschen, das ein versunkenes Wort aus Zeiten der Mettigel und Häkeldecken ist, bildet einen schönen Kontrast. Unterstützt vom prägnanten Verbrecher Verlags-Design, das den Kontrast im Rot der Schrift und Schwarz des Buches aufnimmt, ist der Witz im Raum. Und verlässt ihn nicht mehr. Weiterlesen