Schlagwort: russischer Bürgerkrieg

Michail Bulgakows „Die weiße Garde“: Die Epochen-Turbine

Es gibt eine Handvoll Romane, die das Tor zur Moderne ganz weit aufgerissen haben: Romane wie „Berlin Alexanderplatz“ von Döblin, „Ulysses“ von Joyce oder „Mrs. Dalloway“ von Virginia Woolf. Sie alle eint, dass sie die Art, wie Gesellschaften ihre Realität wahrnehmen grundsätzlich in Frage stellen, dass sie Abbildbarkeit anders denken und dass sie sich von einem Erzähler verabschieden, der von der kühlen Distanz seines auktorialen Feldherrenhügels aus erzählt. Zwar entwickeln sich neue Literaturformen nie über Nacht und Ansätze dieser Verschiebungen lassen sich immer schon früher entdecken, dennoch strahlen diese Romane etwas Epochemachendes aus. Weiterlesen

Boris Sawinkows: „Das schwarze Pferd“: Die Mitte verloren

Die Sowjetunion hat zahlreiche Künstlerbiographien verschlungen. Die bekanntesten sind die Solschenizyns, Isaak Babels oder Boris Pasternaks – manche von ihnen wurden ermordet, andere eingekerkert oder in die Verstummung getrieben. Sie alle eint, nicht auf der verordneten ästhetischen Linien zu wirken, ihr Vergehen war poetische Dissidenz. Einer der in Deutschland unbekannteren war Boris Sawinkow. Sein Schicksal besiegelte sich in dem Moment, als er entschied, Anhänger der Kerenski-Regierung zu werden, jenem Übergangsregime, das zwischen Zarismus und Kommunismus die Hoffnung auf demokratische Reformen in Russland weckte. Seine Gegnerschaft zum Kommunismus machte ihn, nachdem die Bolschewiki im Bürgerkrieg obsiegten, zum Staatsfeind. Seine Haft sollte er lebend nicht verlassen. Nun erscheint sein Werk in deutscher Übersetzung im Galiani Verlag. Weiterlesen