Schlagwort: Science Fiction

Ulrich Holbeins „Knallmasse“: Per Identitätskrise durch die Galaxie

Holbein_Knallmasse

Die ZEIT nannte ihn „Dandy mit Adorno-Ohren“, die taz einen „Einsiedler im prallen Leben“, er sich selbst „Mutter Theresa“ – Ulrich Holbein ist eine der ungewöhnlichsten Figuren im deutschen Literaturbetrieb. Sein Werk wurde immer mit den Größten verglichen, mal Arno Schmidt, mal Jean Paul. Seine ersten Texte sind bei Suhrkamp erschienen, seit der Entzweiung mäandert das Werk Holbeins durch die deutsche Verlagsgeschichte. Nun ist der Autor im homunculus Verlag angekommen, was wie die perfekte Ehe wirkt. Mit „Knallmasse“ wurde dort ein früher Roman Holbeins wiederaufgelegt, in schönem neuen Gewand. Weiterlesen

Stanislaw Lems „Gast im Weltraum“: Die überglückliche Gesellschaft

Eine der Lesefreuden historischer Science-Fiction-Literatur besteht darin zu entdecken, wie man sich früher das Leben in der Zukunft vorgestellt hat. Vieles, was damals als vage Zukunftsvision entworfen wurde, wirkt mittlerweile naiv bis befremdlich. Auch so bei Stanislaw Lems „Gast im Weltraum“, allerdings aus einem anderen Grund. Als der Roman 1955 im polnischen Original erschien, musste der Realsozialismus schon einige Schläge ins Kontor hinnehmen. Zwei Jahre zuvor war der Übervater der UdSSR Josef Stalin gestorben, mit dem Einmarsch der sowjetischen Truppen im Zuge des Aufstand des 17. Junis hatte die Schutzmacht der DDR deutlich gemacht, wie zukünftig Brüderlichkeit unter Bruderstaaten aussehen sollte. Für viele war das Jahr 1953 eine Zäsur, der Traum vom gerechten Leben war schon wieder ausgeträumt. Nicht so in Stanislaw Lems „Gast im Weltraum“, in dem der Weltkommunismus den Menschen alles bietet – nur nicht das Unbekannte. Weiterlesen