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Feridun Zaimoglus „Evangelio“: Vorsicht, leicht entzündlich!

„Luther“ gellts von allen Zinnen – es ist mal wieder ein Jubiläum. Kaum ein Jahr geht mittlerweile vorbei, das nicht in Zeichen irgendeines runden Jahrestages steht. Beginn des ersten Weltkriegs, Wiener Kongress, Ende Zweiter Weltkrieg – die Termine schreiben sich wie von selbst und wirken gleichsam wie ein Konjunkturprogramm für die Buchbranche. Nichts füllt die Auslagen der Buchhandlungen besser als ein zünftiges Jubiläum, das ordentlich Aufmerksamkeit schafft. Nun also Luther. Der deutsche Reformator ist natürlich eigentlich Hoheitsgebiet von Theologen und Historikern, wollte man denken. Doch dann kommt Feridun Zaimoglu mit seinem neuen Roman „Evangelio“ um die Ecke und erinnert uns wieder: vielleicht ist das kostbarste, das uns Luther geschenkt hat, die deutsche Sprache. Weiterlesen

Zwischen den Welten: Feridun Zaimoglus „Siebentürmeviertel“

Feridun Zaimoglu hat es mit seinem Siebentürmeviertel nicht auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2015 geschafft. Trotzdem ist sein Roman von Relevanz und Aktualität: Zaimoglu erzählt die Geschichte eines Flüchtlings in einer multikulturellen Exilgesellschaft aus einer neuen Perspektive, die ihn von der Konkurrenz abgrenzt: der Asyl suchende Protagonist und Ich-Erzähler ist Deutscher.

Der sechsjährige Wolf flieht mit seinem Vater vor den Nationalsozialisten, sie finden Zuflucht im kulturellen Schmelztiegel Istanbul. Yedikule, das titelgebende Siebentürmeviertel, in dem das Ich aufwächst, entspricht den Stereotypen von Neukölln in Berlin: es ist ein Einwandererbezirk mit Banden- und Jugendkriminalität, in dem Menschen aus verschiedenen Kulturen mit verschiedenen Religionen aufeinander treffen. In zwei Romanteilen, die zeitlich zwischen 1939 und 1949 angesiedelt sind, und insgesamt neunundneunzig Kapiteln erzählt Zaimoglu vom Aufwachsen in einer fremden Kultur und dem Identitätskonflikt, der damit einhergeht.  Weiterlesen