Schlagwort: Sigmund Freud

Michael Krügers „Das Irrenhaus“: Leben am Fensterbrett

Als psychologische Kränkung bezeichnet Sigmund Freud den Umstand, dass nur ein Teil des menschlichen Seelenapparats von einem rationalen, reflektierten Bewusstsein gesteuert ist. Vielmehr sei er beeinflusst von Triebhaftigkeit und Unbewusstem, was das „Ich“ zu der Einsicht kommen lässt, „nicht mehr Herr im eigenen Haus zu sein“. Damit stand das Subjekt zur Disposition, das sich aus der Tradition der Aufklärung als rationales Wesen herausgebildet hatte. Bei dem „Ich“-Erzähler in Michael Krügers neuen Roman „Das Irrenhaus“ steht die Sache noch komplizierter: Zwar ist er faktisch Herr im eigenen Haus, das weiß dort nur niemand. Und dann ist in diesem Haus auch noch so viel anderes präsent, das sich seiner bemächtigt. „Das Irrenhaus“ ist ein mal witziger, mal melancholischer Text über ein Subjekt in der Krise und die Durchlässigkeit, die Menschen zum Schreiben befähigt. Weiterlesen

Ein deutscher Japaner in Paris: „Der Fuchs und Dr. Shimamura“

1906 schrieb der deutsche Psychiater Dr. Ernst Jentsch in seinem Aufsatz „Zur Psychologie des Unheimlichen“: „Der Naturmensch bevölkert seine Umgebung mit Dämonen, kleine Kinder sprechen in allem Ernste mit einem Stuhle, ihrem Löffel, einem alten Fetzen u.s.w. und schlagen voll Zorn auf leblose Dinge ein, um sie zu strafen. Selbst im hochcultivierten Hellas wohnte noch eine Dryas in jedem Baum. Es ist deshalb nicht erstaunlich, wenn den Menschen das, was er selbst von seinem eigenen Wesen halbbewusst in die Dinge hineingelegt hat, jetzt an diesen Dingen wiederum zu schrecken beginnt, dass er die Geister, die der eigene Kopf erschuf, aus diesem nicht immer zu bannen im Stande ist.“ Weiterlesen