Schlagwort: Silicon Valley

Philipp Schönthalers »Der Weg aller Wellen«: Unknown Identity

Wann hört Gegenwartsbeschreibung auf, wann fängt Dystopie an? Die Frage drängt sich bei der Lektüre von Philipp Schönthalers  »Der Weg aller Wellen« auf, denn seine Version einer aus dem Ruder laufenden Silicon Valley-Gesellschaft ist so nah an der Realität, dass die Grenzen verschwimmen. Tatsächlich bewirbt der Verlag das Buch auch gar nicht als Dystopie, die Rezeption möchte sie dennoch darin erkannt haben. Hat die Zeit die Dystopie überholt? Leben wir in einer Dystopie? Weiterlesen

Josefine Rieks‘ „Serverland“: Archäologie der Zukunft

Vielleicht werden in ein paar Jahrzehnten Historiker behaupten, die Entwicklung und weltweite Verbreitung des Internets hat einen größeren gesellschaftlichen Wandel ausgelöst als die industrielle Revolution. Doch längst hat sich die Sicht auf das weltweite Informationsnetz gewandelt. Stand am Anfang noch der emanzipative Gedanke im Fokus – freier Austausch von Ideen, das Zusammenwachsen der Welt etc. –, ist das Internet in der öffentlichen Wahrnehmung längst zu einem Werkzeug von Repression und Überwachung geworden. Die Großfirmen des Silicon Valleys, die sich liberal und freiheitsliebend geben, sind eine unheilige Allianz mit Sicherheitsdiensten eingegangen. Wie viel Freiheit, aber auch wie viel Unfreiheit schafft das Internet? Diese Frage stellt Josefine Rieks in ihrem Debütroman aus der Rückschau: Denn in „Serverland“ ist das Internet abgeschaltet. Weiterlesen

Jonas Lüschers „Kraft“: Akademische Kraftmeierei

Jonas Lüschers literarische Karriere ist die Geschichte einer Prokrastination. Eigentlich sollte der Schweizer schon längst seine Dissertation zur narrativen Bewältigung von sozialer und philosophischer Komplexität geschrieben haben. Vielleicht ist es nur folgerichtig, dass er sich im Laufe seiner akademischen Tätigkeit dafür entschieden hat, Dissertation Dissertation sein zu lassen und die literarische Durchführung gleich selbst erprobt hat. Mit der Novelle „Frühling der Barbaren“ hat Lüscher dann ganz einfach die gesellschaftliche Komplexität in die Literatur gebracht und eine kluge Arabeske über die Finanzkrise geschrieben. Vier Jahre später ist die Dissertation immer noch nicht fertig, dafür sein erster Roman. „Kraft“ heißt er und irrlichtert um das Thema Liberalismus in Zeiten von Transhumanismus und Silicon Valley. In diesem Fall ist es leider mehr wissenschaftliche Arbeit, weniger Literatur geworden. Weiterlesen