Schlagwort: Sklaverei

Getrennte Schwestern: Yaa Gyasis „Heimkehren“

Die Anzahl der Filme und Bücher, die sich mit der Geschichte der Sklaverei, insbesondere in den USA, auseinandersetzen, hat in den vergangenen Jahren zugenommen: 2014 wurde „12 Years a Slave“ als bester Film mit dem Oscar ausgezeichnet, erst unlängst gewann Colson Whitehead mit seinem Roman „Underground Railroad“ den Pulitzer Price for Fiction. Ein weiterer Roman, der das Zeug hat, in den Kanon einzugehen, stammt von einer erst 28-jährigen Debütantin: Yaa Gyasi hat einen epischen Roman geschrieben, der 250 Jahre afrikanisch-amerikanische Geschichte erzählt. Weiterlesen

Colson Whiteheads „Underground Railroad“: A Streetcar Named Despair

Der amerikanische Mythos verläuft auf der Schiene. Als die Unabhängigkeit der 13 Kolonien gesichert war, fand der US-Amerikaner sich plötzlich in einem riesigen Land wieder, das es zu unterwerfen galt. So machten sich die Siedlertrecks auf gen Westen, auf der Suche nach dem Glück. Doch einen inneren Zusammenhang konnte die junge Nation nur dann entwickeln, wenn der Weg von Küste zu Küste kein Lebensalter dauerte. Mit der Eisenbahn schien ein Weg gefunden, die unendlichen Weiten des mittleren Westen zu überbrücken; darüber hinaus ist sie eins der prägnantesten Motive des amerikanischen Mythos – verkörpert sie doch technischen Fortschritt mit ungezügelter Kraft und Aufbruchsstimmung. Auch wenn sich die USA längst von ihrem Schienennetz verabschiedet haben und aufs Flugzeug umgestiegen sind – die Eisenbahn lebt im kulturellen Gedächtnis weiter. Was die Zeit kaum überdauert hat, ist die Erinnerung an ein anderes Schienensystem, ein Netzwerk im Untergrund, organisiert von jenen, die im amerikanischen Narrativ lange nicht vorkamen: die Underground Railroad, von der Colson Whitehead in seinem vielgerühmten Roman erzählt. Weiterlesen