Schlagwort: Stefan Zweig

Stefan Zweigs „Buchmendel“ & „Die unsichtbare Sammlung“: Die Sammler von Gestern

Stefan Zweig ist der Meister der Nostalgie. Mit „Die Welt von Gestern“ hat er ein ganzes Programm dieses nostalgischen Blicks vorgelegt. Dabei gilt es zwischen zwei Varianten der Nostalgie zu unterscheiden: der Verklärenden und der Bewahrenden. Die verklärende Nostalgie kann gefährlich sein, man trifft sie gerade überall an. Sie beschwört das vermeintlich zu Unrecht Vergangene, um die Gegenwart abzulehnen. Auch Stefan Zweigs Blick auf die Vergangenheit ist davon nicht gänzlich frei. Die bewahrende Nostalgie erfüllt jedoch eine wichtige Aufgabe und hatte vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg Konjunktur. Die Rückschauen Stefan Zweigs, aber auch die eines Friedrich Torbergs sind ein Versuch, über die finale Zäsur, die die Zerstörungswut der Nationalsozialisten hervorgebracht hat, einige wenige Brücken zu bauen. Im Topalian & Milani Verlag sind nun zwei Erzählungen Zweigs neu erschienen, die auch von Zäsuren und dem, was es zu erhalten gilt, erzählen. Weiterlesen

George Prochniks „Das unmögliche Exil“: Panik plus Abschiedsweh

Sich mit Flucht- und Exilerfahrungen auseinanderzusetzen, scheint heute wichtiger denn je. Bei Stefan Zweig scheint sich diese Beschäftigung doppelt zu lohnen, denn als Schriftsteller kann er wie kaum ein anderer seine innere Zerrissenheit zur Sprache bringen, anschaulich machen, was die gewaltsame Entwurzelung für den Einzelnen bedeutet. Bei ihm ist die Sache jedoch komplizierter als sie bei vielen anderen eh schon ist: als österreichischer Jude drohte ihm die Vernichtung, hätte er das Dritte Reich nicht früh genug verlassen. Allerdings floh er aus einem Land, das es bald schon gar nicht mehr geben sollte. Das führte zu dem unglücklichen Umstand, dass er bei Kriegsbeginn 1939 im englischen Exil als Deutscher identifiziert wurde. Seit Zweig Österreich für immer verließ, war er sich seiner Stellung in der Welt nicht mehr sicher und kam nirgendwo mehr richtig an. Von dem, was es heißt, im Exil zu sein, erzählt der amerikanische Autor und Journalist George Prochnik. Weiterlesen

„Vor der Morgenröte“: Ein Flaneur im Dschungel

Da stehen sie auf einmal zusammen auf der Veranda eines schlichten Appartements und blicken auf den brasilianischen Dschungel – der deutsche Journalist Ernst Feder und der Epochen-Schriftsteller Stefan Zweig. Ergriffen von dem Anblick der verschwenderischen Natur, von dem Gedanken geleitet, in Brasilien das Land der Zukunft zu sehen, kann der Exilant Zweig doch nur eines in den grünen Hügeln erkennen: den Semmering, diesen malerischen Pass, der den Wienern seit je her als Ausflugsziel dient. Das Gefühl, das den Berliner und den Wiener an diesem Ort verband, war das Gefühl einer ganzen Generation: die europäischen Exilanten des Zweiten Weltkriegs hatte keine Abenteuerlust an die entlegensten Orte geführt, sondern die pure Not. Die Heimat, die sie verlassen hatten, betrachteten sie immer noch als die eigene. Trotz aller politischen Schönverfärberei seitens Stefan Zweigs – Brasilien sollte nie seine neue Heimat werden. Dieser Phase seines Lebens hat die Regisseurin Maria Schrader nun den fantastischen  Film „Vor der Morgenröte“ gewidmet. Weiterlesen

Joseph Roth und der Kampf gegen den Antichrist – Briefwechsel mit Stefan Zweig

Briefwechsel – vor allem Literaten-Briefwechsel – sind eine intrikate Sache. Der Leser erwartet von der Korrespondenz zweier Geistesmenschen Diskussionen über Fundamentales, Epochenzeugnisse und Einblicke in das Werk beider Autoren. Was dann aber häufig dominiert, sind Schmeicheleien, seitenlange Auskünfte über körperliche Befindlichkeiten und Terminabsprachen über Treffen, die dann entweder nicht zustande kommen oder über dessen Inhalte der Leser im Unklaren bleibt. Der Briefwechsel zwischen Joseph Roth und Stefan Zweig (1927-1938) bewegt sich im Dazwischen.

Joseph Roth ist 1927 gerade viel auf Reisen, während Stefan Zweig seine Sternstunden veröffentlicht. Der Briefwechsel der Beiden lässt sich in vielerlei Weise erzählen: als Zeugnis einer Freundschaft, als Beispiel für den ökonomischen Überlebenskampf einer Autorenexistenz, als Verfallsdrama oder als Geschichte der politischen Irrtümer. Weiterlesen