Schlagwort: Studentenbewegung

Nathan Hills „Geister“: Im postfaktischen Zeitalter

Ein Gespenst geht um in der Welt – das Gespenst der Postfaktizität. Spätestens als Angela Merkel es in die Öffentlichkeit trug, war das Gespenst nicht mehr loszuwerden. Nun geistert es in den Redaktionen der hiesigen Medien herum und durch die öffentlichen Diskussionen. Für die Politik und die Medien ist der Eintritt in das postfaktische Zeitalter ein Segen, schließlich entlastet das einen von der schwierigen Aufgabe nachdenken zu müssen. Die postfaktischen Postfaktiker gehen davon aus, dass es seit der Aufklärung einen kontinuierlichen gesellschaftlichen Zustand der rationalen Weltsicht gab, der nun plötzlich abgebrochen ist. Wer alleine durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts schaut, dem werden freilich viele Beispiele einfallen, in denen sich ganze Bevölkerungen durch krude Weltanschauung und emotionale Aufladung haben hysterisieren lassen. Aber das ist dann auch schon wieder postfaktisch. Postfaktisch geht es auch in Nathan Hills „Geister“ zu, dessen Roman daher zur Literatur der Stunde werden könnte, würde Hill nicht zu viel versuchen und zu wenig erreichen. Weiterlesen

Philip Roths & Ewan McGregors „American Pastoral“: Die naive Nation

Philip Roths „American Pastoral“ gehört zu den bedeutenden Klassikern der modernen amerikanischen Literatur. Wie bei jedem Klassiker gibt es auf der einen Seite die Sehnsucht nach einer Verfilmung und auf der anderen Seite die Behauptung der Unverfilmbarkeit. Nun hat es Ewan McGregor gewagt und scheint damit – wie der Großteil der Kritiken glauben machen will – auf die Nase gefallen zu sein. Dabei stand die Produktion von Beginn an unter keinem guten Stern. Kurz vor den Dreharbeiten sprang der eigentlich vorgesehene Regisseur ab, womit McGregor in die Situation kam, sich bei seinem Regiedebut gleich mit Philip Roth zu messen. Tatsächlich ist die Verfilmung allenfalls Anlass, den Roth-Text noch einmal aufzuschlagen; das ist dann aber in jedem Fall ein Ereignis. Weiterlesen