Schlagwort: Thomas Hettche

2017: Zehn Bücher, die bleiben

Neben den vielen literarischen Enttäuschungen und Ärgernissen des Jahres gab es natürlich auch wieder einige Lichtblicke, Bücher, die einem eine andere Weltsicht eröffnet, schockiert, angeregt, verunsichert haben. Ob sie die Zeit überdauern werden und irgendwann in den Kanon der Literatur eingehen werden? Man möchte es ihnen wünschen. Hier also die ebenso objektive wie ultimative Liste der zehn besten Bücher des Jahres 2017. Weiterlesen

Thomas Hettches „Unsere leeren Herzen“: „So schönes Wetter, und – ich noch dabei“

Gibt es eine allgemeine, zeitlose Funktion der Literatur? Die Antwort auf diese Frage lauter ganz klar: Jein! Literatur, wie sie aus dem westlichen Verständnis kommt, hat sich schon immer mit den Gesellschaften, derer sie entspringt, verändert. Mal neigt sie sich ins politische Engagement, mal zieht sie sich in den Ästhetizismus zurück, mal wird sie gar von Ideologien gekapert. Literatur ließe sich anders auch schwer denken – auch wenn die Poststrukturalisten gelehrt haben, den Autor hinter dem Text verschwinden zu lassen, können (und wollen) auch sie nicht die menschliche und damit gesellschaftliche Hand hinter dem Text leugnen. Auf der anderen Seite hat die Literatur auch immer eine, unveränderliche Aufgabe übernommen: Unsere leeren Herzen (und Köpfe) zu füllen. Darüber, was es heißt, im 21. Jahrhundert Literatur zu denken und vor allem sie gegen ihre Gegner zu verteidigen, hat Thomas Hettche nun einen grandiosen Essayband geschrieben. Weiterlesen

Michael Kumpfmüller: Die Domestizierung der Literatur

Der Mann ist in Gefahr. Schleichend, fast lautlos tritt er den Rückzug an, bedroht von einer aufstrebenden, immer stärker werdenden Gruppe: den Frauen. Was bleibt da noch für die Männer? Sollen sie sich mit ihrem Niedergang abfinden? Und wie könnte ihre neue Rolle aussehen? Auf diese Frage hatte schon Herbert Grönemeyer keine befriedigende Antwort gefunden, mittlerweile ist das Thema in der Literatur angekommen, wie Thomas Hettches „Liebe der Väter“ oder Ralf Bönts „Das entehrte Geschlecht“ zeigt. Der (westliche) Mann befindet sich zwischen Rückzugsgefecht und Neujustierung und geht damit ganz unterschiedlich um: manche lassen noch mal den alten Silberrücken aufleben, andere begleiten ihren Abstieg mit quengeliger Larmoyanz. Die nächste Reise ins Innere des neuen Mannes hat Michael Kumpfmüller mit „Die Erziehung des Mannes“ unternommen und es damit immerhin auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Weiterlesen

Thomas Hettche: Pfaueninsel

Berlin baut seine Schlösser wieder auf. Zum Produkt jener Nostalgie gehört nicht nur das umstrittene Stadtschloss im Zentrum der Hauptstadt, sondern auch das königliche Refugium der Preußen auf der Pfaueninsel inmitten der Havel, welches Thomas Hettche in seinem gleichnamigen Roman wieder auferstehen lässt. Er erzählt von den Bewohnern und den Veränderungen auf der Insel zwischen 1810 und 1880, die der Leser in erlebter Rede durch die Figur des kleinwüchsigen Schlossfräuleins Maria Dorothea Strakon wahrnimmt und in deren Lebensgeschichte sich das Jahrhundert verdichtet: „Die Insel und sie, das wußte sie, waren eins.“  Weiterlesen