Schlagwort: Türkei

Gewachsen auf Beton: Fatma Aydemirs „Ellbogen“

Aydemir_Ellbogen

Berlin ist grau, und der Berliner Wedding ganz besonders. Spätestens seit den Boateng-Brüdern, die es „herausgeschafft“ haben, ist der Arbeiterbezirk auch deutschlandweit bekannt. Hier lebt die 17-jährige Hazal, die aus einer unmittelbaren Ich-Perspektive in Fatma Aydemirs Debütroman „Ellbogen“ vom Sommer erzählt, in dem sie ihren 18. Geburtstag feiert, bis zur Eskalation.  Weiterlesen

Heul doch, Satre! Elif Shafaks „Der Geruch des Paradieses“

Als „Stimme der türkischen Literatur“ wird Elif Shafak auf dem Buchumschlag ihres neuen Romans „Der Geruch des Paradieses“ bezeichnet. Aber die Istanbulerin ist mehr als nur Literatin. In den letzten Monaten fällt sie immer wieder in Interviews, mit Artikeln und Essays (hier oder hier oder hier zum Beispiel) als politische Person auf, die die aktuellen Entwicklungen in ihrem Heimatland kommentiert und analysiert. In „Der Geruch des Paradieses“ thematisiert Shafak die gesellschaftlichen Zustände in der Türkei anhand einer Frauenfreundschaft. Weiterlesen

„Die kleinste Einheit ist der Schlag“: Katharina Winklers „Blauschmuck“

„Beruhend auf einer wahren Geschichte“: diese Bemerkung wird derzeit zahlreichen Filmen und Texten rechtfertigend – oder als Versprechen? – zur Seite gestellt. Viele aktuelle Kinotrailer eröffnen oder schließen mit diesem Satz, er ist Ausdruck eines Authentizitäts- oder Wirklichkeitsanspruches, der in narrativen Medien en vouge zu sein scheint. Auch Katharina Winklers Debüt „Blauschmuck“ wird der Satz „Nach einer wahren Lebensgeschichte“ vorangestellt, auch dieses Buch wird vom Verlag mit seinem Wirklichkeitsanspruch beworben. In diesem Fall ist die Vorbemerkung jedoch gerechtfertigt, da die Geschichte der jungen Türkin Filiz, die der Roman erzählt, für jeden Leser schier unglaublich scheint und mahnend über den Text hinaus wirkt. Weiterlesen

Zwischen den Welten: Feridun Zaimoglus „Siebentürmeviertel“

Feridun Zaimoglu hat es mit seinem Siebentürmeviertel nicht auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2015 geschafft. Trotzdem ist sein Roman von Relevanz und Aktualität: Zaimoglu erzählt die Geschichte eines Flüchtlings in einer multikulturellen Exilgesellschaft aus einer neuen Perspektive, die ihn von der Konkurrenz abgrenzt: der Asyl suchende Protagonist und Ich-Erzähler ist Deutscher.

Der sechsjährige Wolf flieht mit seinem Vater vor den Nationalsozialisten, sie finden Zuflucht im kulturellen Schmelztiegel Istanbul. Yedikule, das titelgebende Siebentürmeviertel, in dem das Ich aufwächst, entspricht den Stereotypen von Neukölln in Berlin: es ist ein Einwandererbezirk mit Banden- und Jugendkriminalität, in dem Menschen aus verschiedenen Kulturen mit verschiedenen Religionen aufeinander treffen. In zwei Romanteilen, die zeitlich zwischen 1939 und 1949 angesiedelt sind, und insgesamt neunundneunzig Kapiteln erzählt Zaimoglu vom Aufwachsen in einer fremden Kultur und dem Identitätskonflikt, der damit einhergeht.  Weiterlesen