Schlagwort: Ullstein

Gabriele Tergits „Etwas Seltenes überhaupt“: „Wunderbar, nicht?“

Ähnlich wie Irmgard Keun oder Vicky Baum musste Gabriele Tergit erst in Vergessenheit geraten, um schließlich wiederentdeckt werden zu können. Tergit, die eigentlich Elise Reifenberg hieß, gehörte zu ihrer Zeit zur Berliner intellektuellen High Society. Sie publizierte im Berliner Tageblatt, das zum damals einflussreichen Mosse-Verlag gehörte, sie war bekannt mit den Größen der deutschsprachigen Literatur. Der Weg ins Exil war schließlich nicht nur ihrem kritischen Geist, sondern auch ihren Judentum geschuldet, das sie über Umwege nach Israel, dann schließlich nach London führte. Trotz einiger Besuche ist Tergit nach dem Krieg nie wieder in Deutschland heimisch geworden. Nun bemüht sich der Schöffling & Co. Verlag zumindest darum, dass ihr Werk wieder einen Platz in Deutschland findet. Weiterlesen

Schlaf, Kindlein, schlaf: Verena Friederike Hasels „Lasse“

In ihrem Debütroman „Lasse“ setzt Verena Friederike Hasel sich mit einem gesellschaftlichen Tabuthema auseinander: Was geschieht, wenn eine Mutter ihr Kind nach der Geburt nicht lieben kann? Aus einer unmittelbaren Ich-Perspektive erlaubt Hasel dem Leser in vier Kapiteln auf zweihundert Seiten einen Blick in die Gedanken einer jungen Frau, die völlig auf sich allein gestellt alles versucht, um ihrem Sohn eine gute Mutter zu sein – und scheitert. Weiterlesen

Flucht in den Westen: Alexandra Friedmanns „Besserland“

Die Thematik von „Besserland“ ist tagesaktuell, nur der historische Kontext ist ein anderer: Sanja, aus deren Ich-Perspektive berichtet wird, emigriert mit ihren Eltern und sucht in Deutschland Asyl. Auf der Odyssee durch Europa lassen sie Habseligkeiten zurück, sie vertrauen auf Schlepper, um die Grenzen Europas zu überwinden und werden über den Tisch gezogen. In ihrem Debütroman „Besserland“ erzählt Alexandra Friedmann die Geschichte einer (jüdischen) Emigration von 1986 bis 1991, die von Weißrussland in die USA führen soll, dann aber doch in Deutschland endet.

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Obsessionen eines Studenten: Aljoscha Brells „Kress“

Nein, mit Kress, dem Protagonisten des gleichnamigen Debütromans von Aljoscha Brell, kann man beim besten Willen nicht sympathisieren. Der Student der Literaturwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität Berlin ist ein Einsiedler, ein Wutbürger, ein Besserwisser, der niemandem seinen Vornamen verrät. Kress ist ein Misanthrop – bis er auf Madeleine trifft. Auf dreihundertdreißig Seiten erstellt Brell das Psychogramm eines obsessiven Charakters. Weiterlesen