Schlagwort: Utopie

Hendrik Otrembas »Kachelbads Erbe«: Hoffnungstotschlag

Der menschliche Entdeckergeist kann noch ein paar große Herausforderungen angehen: Die Heilung bislang noch tödlicher Krankheiten, die Eroberung des Weltraums, die Eindämmung des Klimawandels. Die größte und gleichzeitig älteste Herausforderung ist aber vermutlich die Überwindung der Endlichkeit. Seit sich der Mensch seiner eigenen Sterblichkeit gewahr wurde, hat er Überlegungen zur Unsterblichkeit angestellt – ob mit religiöser, esoterischer oder wissenschaftlicher Motivation, wie die Transhumanisten aus dem Silicon Valley. Da der Tod das literarische Thema par excellence ist, gibt es auch etliche Romane über Unsterblichkeitsphantasien – so wie der neue Roman von Hendrik Otremba: »Kachelbads Erbe«. Weiterlesen

Alfred Bratts „Die Welt ohne Hunger“: Mit Maggi zum Weltfrieden

Das 20. Jahrhundert war das Jahrhundert der Masse. Mit dem Aufstieg des Industrieproletariats und der damit einhergehenden Urbanisierung gab es plötzlich eine gesellschaftliche Gruppe, die sich durch ihren sozialen Status als homogene Masse verstand und gleichzeitig das Produkt und Beförderer der Moderne wurde. Je mehr sich der Arbeiter als politisches Subjekt verstand, desto entschlossener brachte er seine Forderung vor. Gleichzeitig erkannte das 20. Jahrhundert, z.B. Canetti in seinem „Masse und Macht“, das gefährliche Potenzial, das ihnen inne liegt. Die Masse ist entzündlich, hoch emotional und verführbar. Damit die Masse nicht zu Fackel und Heugabel greift, musste das 20. Jahrhundert vor allem Antworten auf die verschärften Verteilungsfragen finden. Auch davon erzählt „Die Welt ohne Hunger“ von Alfred Bratt, das 1916 zum ersten Mal erschien und nun in der edition atelier neuaufgelegt wurde. Weiterlesen