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Virginie Despentes‘ „Das Leben des Vernon Subutex 2“: Der Gegenwart zu nah auf die Pelle gerückt

Aufmerksamkeit kriegt heute der, der als ein Versteher gilt. Wenn man jemanden schmähen will, nennt man ihn Putinversteher. Wenn man jemand auszeichnen will, ist er ein Gegenwartsversteher. Die meisten Gegenwartsversteher scheinen momentan aus Frankreich zu kommen. Der erste große Gegenwartsversteher der jüngeren Jahre war vermutlich Didier Eribon. Mit seiner autobiographischen Herkunftserkundung traf er einen Nerv – nicht nur weil er das unstillbare zeitgenössische Verlangen nach authentischem Sprechen befriedigte, sondern auch weil er – folgt man der Rezeption – ein Erklärungsmuster für das Phänomen lieferte, dass sich der einfache Franzose von der Linken abwendete, um in den Armen des Front Nationals zu landen. Doch da der Mensch des 21. Jahrhunderts dem Gemeinplatz entsprechend in einer so schnellen und unübersichtlichen Gegenwart lebt, braucht es freilich auch immer neue Versteher. So hat das hiesige Feuilleton Virginie Despentes für sich entdeckt, aus deren „Vernon Subutex“-Reihe nun der zweite Band in deutscher Übersetzung erschienen ist. Weiterlesen