Schlagwort: Wald

Marie Darrieussecqs „Unser Leben in den Wäldern“: Auge um Auge

Der Wald ist – wie schon öfter an dieser Stelle beobachtet – eine der zentralen Topographien der deutschsprachigen Literatur: mal magisch-romantisch, mal schaurig-grausam, meist ein Ort der Einsamkeit, selten jedoch Schauplatz von Zukunftsszenarien. Anders bei Marie Darrieusecq: In ihrem neuen dystopischen Roman „Unser Leben in den Wäldern“ wird der Wald Rückzugsraum für diejenigen, die sich von der Gesellschaft lossagen und dem herrschenden System zu entkommen versuchen. Weiterlesen

Verbotene Liebe? Lisa Kreißlers „Das vergessene Fest“

Der Wald ist eines der bedeutendsten, wenn nicht das zentrale topographische Motiv der deutschen Literaturgeschichte. Von den Brüdern Grimm über Kleist bis zu Gegenwartsautorinnen und -autoren wie Reinhard Kaiser-Mühlecker oder Jovana Reisinger bietet er Raum für Romantik und Idylle, für Archaisches und Mythisches, aber auch für Furcht und Schrecken. In Lisa Kreißlers neuem Roman ist der Wald all dies zugleich. Weiterlesen

Im tiefen, dunklen Wald: Jovana Reisingers „Still halten“

Er ist der ultimative Sehnsuchtsort der Deutschen: der Wald. Spätestens seit der Romantik und den Grimmschen Märchen weiß jedes Kind, das im Dickicht Gefahren in Form von bösen Wölfen und noch böseren Hexen lauern. Gleichzeitig aber ist dieses Archaische, dieses Gegenbild zur vom Menschen geprägten, kultivierten Landschaft zum überhöhten Ideal geworden, das bei der Reichsgründung 1871, so zeigt sich am Hermannsschlacht-Denkmal im Teutoburger Wald, zum Symbol nationaler Identität erklärt wurde, das die Nazis dankend für ihre Propaganda nutzten. In Jovana Reisingers literarischem Debüt ist der Wald nicht Sehnsuchtsort, sondern gefürchteter Schreckensraum. Dennoch läuft der Roman zielstrebig auf eben jenen zu. In „Still halten“ erobert die Natur die Topographie zurück. Weiterlesen