Schlagwort: Wallstein

Emanuel Maeß‘ „Gelenke des Lichts“: Ungelenk ins Dunkle

Was ist literarischer Mut? Sich an neuen Formen zu versuchen, ästhetische Konventionen zu sprengen und alles auf eine, absolute Karte zu setzen? Oder das genaue Gegenteil? Gegen alle Innovationserwartungen anzuschreiben und sich allem verwahren, das irgendwie nach hipper Literaturmode riecht? Gibt es die radikale Nichtradikalität? Falls ja, Emanuel Maeß, der gerade sein Debüt, „Gelenke des Lichts“ im Wallstein Verlag vorgelegt hat, hätte sie zur Perfektion getrieben. Leider bedeutet jedoch die Verweigerung literarischer Moden nicht zwangsläufig eine geradlinige Literatur. Das einzige, das in diesem Roman konsequent gerät, ist sein inniges Verhältnis zum Klischee. Weiterlesen

Regretting Fatherhood: Luise Maiers „Dass wir uns haben“

„Ich darf niemals Kinder haben.“ – Ein ganzes Notizheft füllt die namenlose Ich-Erzählerin in Luise Maiers Debüt „Dass wir uns haben“ mit diesem Satz in der ersten Szene des Romans, in der das Ich szenisch auf eine traumatische Kindheit zurückblickt: In einem grünen Haus, irgendwo im Nirgendwo, wächst sie mit Vater, Mutter und Bruder alles andere als behütet auf. Wer in diesem Erstling der Absolventin des Schweizer Literaturinstituts auf ein Happy End wartet, der wartet vergebens. Weiterlesen

„Jenseits der Pässe“: Stephan Braeses Hildesheimer-Biographie

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Max Frisch, Ingeborg Bachmann, Heinrich Böll, Siegfried Lenz, Christa Wolf  – über die Stars der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur, deren Werke noch heute zu den meistgelesenen und meistbeforschten gehören, gibt es viele Lebensbilder. Einige von ihnen gerieten aber zunehmend in Vergessenheit, obwohl ihr Rang nicht weniger relevant war. Zu ihnen gehört Wolfgang Hildesheimer. Dabei ist seine Biographie eine der spannendsten. Der Literaturwissenschaftler Stephan Braese hat anlässlich des 100. Geburtstags von Hildesheimer eine umfassende Biographie vorgelegt. Weiterlesen

Vom Finden und Verschwinden: Ralph Dutlis „Die Liebenden von Mantua“

In Ralph Dutlis neuem Roman ist die Topographie der Protagonist. Mantua ist ein Ort mit großer literarischer Tradition: sie gilt als Geburtsort des römischen Dichters bzw. Epikers Vergil und ist neben dem benachbarten Verona der Schauplatz für das Liebesdrama um Shakespeares Romeo und Julia, der Ort, an dem im letzten Akt beide den gemeinsamen Tod finden. In jene Tradition stellt sich Ralph Dutli mit seinem Roman Die Liebenden von Mantua, der es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2015 geschafft hat.  
Irgendwo zwischen postmoderner Epik und Kriminalgeschichte erzählt Dutli in einer Art „Realismus des Unwahrscheinlichen„, in dem die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Traum, Fantasie und Wahn zu verschwimmen scheinen, von den Spielarten der Liebe und von der Macht der Literatur. Weiterlesen