Schlagwort: Wallstein Verlag

Nicolai Hannigs »Kalkulierte Gefahren«: Vom Naturschutz zum Naturschutz

Das 21. Jahrhundert könnte ein Jahrhundert der Naturkatastrophen werden. Während das 20. eines der menschgemachten Katastrophen war, entsteht durch immer häufigere Ereignisse wie Waldbrände, Erdbeben, Taifune etc. und die begleitenden, immer lauter werdenden Klimaproteste die Vision, dass die größte Herausforderung dieses Mal von der Natur ausgehen könnte. Der Mensch hat schon immer mit Naturkatastrophen gerungen. Doch während mit dem Eintritt ins Anthropozän lange die Vorstellung herrschte, man könnte die Natur beherrschen und ihren zerstörerischen Einfluss eindämmen, gilt es jetzt scheinbar nur noch das schlimmste zu verhindern. Wie der Mensch begonnen hat, Natur zu planen, das beschreibt Nicolai Hannig in seinem Buch »Kalkulierte Gefahren«. Weiterlesen

Steven Blooms »Mendel Kabakov und das Jahr des Affen«: Biographie vs. Geschichte

Der ältere jüdische New Yorker Mann hat über Jahrzehnte die amerikanische Kultur geprägt, von Woody Allen bis Larry David, von Philip Roth bis Paul Auster. Auffällig: Der alte New Yorker Mann scheint besonders obsessiv über sich selbst oder andere, ähnliche alte Männer erzählen zu müssen. Und so ist die amerikanische Literatur- und Filmgeschichte voll von alten, männlichen Künstlern, Professoren, Schriftstellern, Regisseure etc. in New York. Da macht auch Steven Blooms »Mendel Kabakov und das Jahr des Affen« keine Ausnahme. Weiterlesen

Steffen Menschings „Schermanns Augen“: In diesem Lager ist das 20. Jahrhundert inhaftiert

Das Projekt, das 20. Jahrhundert zu erzählen, war auch immer ein Projekt, Räume zu erzählen. Die krisengeschüttelte Gesellschaft der Jahrhundertwende war eine Gesellschaft des Sanatoriums, das wie im „Zauberberg“ in Agonie liegend, der sicheren Katastrophe entgegensah. Die Poststrukturalisten, allen voran Michel Foucault, erkannten dann das Gefängnis als den zentralen Ort, an dem die Repressions- und Disziplinarkräfte einer modernen Gesellschaft offenbar werden. Ein weiterer zentraler Ort des 20. Jahrhundert ist das Lager, das seine Verwandtschaft zum Gefängnis aufweist, aber eine ganz eigene Erzähltradition begründete. In diese Erzähltradition stellt sich nun auch Steffen Menschings „Schermanns Augen“. Weiterlesen