Schlagwort: Wenderoman

Schrei nach Liebe? Lukas Rietzschels „Mit der Faust in die Welt schlagen“

Kaum ein Buch hat in diesem Literaturherbst so viel Aufmerksamkeit erfahren wie der Roman von Lukas Rietzschel. Buchhändler und Blogs wurden bereits Monate vor Veröffentlichung mit „Mit der Faust in die Welt schlagen“ beschickt, der Verlag lud Presse und BloggerInnen zu einem Tagesausflug samt Autor nach Sachsen ein, zum Erscheinungstermin gab es ein überdimensionales Schaufenster im Berliner Kulturkaufhaus Dussmann im Coverdesign und vor allem gab es jede Menge Presse. Das alles ist insofern überraschend, da es sich um einen Debütroman handelt. Rietzschels Buch wird als „das Buch der Stunde“ gehandelt – zu Recht? Weiterlesen

„89/90″ – Das Leben in der Nische

Kaum eine Diskussion innerhalb der deutschen Literatur ist so verbissen geführt worden wie jene um die literarische Verarbeitung der Wende. Es mag eine verworrene Ansicht sein, die davon ausgeht, jedes große Ereignis müsste seine literarische Entsprechung finden, doch der Deutsche wollte nach 1990 gefälligst seinen „Wenderoman“ aufgetischt bekommen. Als einer der Ersten wurde Günter Grass am Nasenring in die Manege gezerrt und schließlich für sein „Weites Feld“ ordentlich verprügelt. Danach haben sich dutzende Schriftsteller, bewusst oder unbewusst, West oder Ost, daran versucht – so richtig zufrieden war die deutsche Öffentlichkeit nie. 25 Jahre später, so würde man denken, ist die Sache gegessen. Doch dann kommt auf einmal Peter Richter mit seinem Roman „89/90“ um die Ecke und belehrt eines Besseren: Über die Wende kann höchst relevant und vor allem sehr unterhaltsam erzählt werden.

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