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Wolfgang Koeppens „Amerikafahrt“: Republikanische Pracht

Die Geschichte Wolfgang Koeppens ist die des Verstummens. Der Autor aus Greifswald galt unter seinen Zeitgenossen als einer der avanciertesten Nachkriegsschriftsteller, obgleich sein literarischer Werdegang schon in der Weimarer Republik begann. Mit Marcel Reich-Ranicki hatte Koeppen einen wortmächtigen Fürsprecher an seiner Seite; eine Verbindung, die in der Nachbetrachtung unterschiedlich bewertet wurde. Während die einen Reich-Ranicki für seine Errungenschaften um Koeppen preisen, haben andere dem Großkritiker stets vorgehalten, das Verstummen des Autors mit seinem ständigen Drängen auf den nächsten großen Roman noch befördert zu haben. Wer es mit einfachen psychologischen Schlüssen hält, könnte vermuten, der Grund für Koeppens spätere Konzentration auf Reiseberichte ist genau in diesem Spannungsverhältnis erwachsen: die Reise als Flucht vor einem Kulturbetrieb, der ständig Erwartungen an einen Autoren herantrug, die dieser nicht mehr erfüllen konnte oder wollte. Einer der Texte dieser Zeit ist Koeppens „Amerikafahrt“, die Reise eines Enthusiasten. Weiterlesen