Schlagwort: amerikanische Gesellschaft

Getrennte Schwestern: Yaa Gyasis „Heimkehren“

Die Anzahl der Filme und Bücher, die sich mit der Geschichte der Sklaverei, insbesondere in den USA, auseinandersetzen, hat in den vergangenen Jahren zugenommen: 2014 wurde „12 Years a Slave“ als bester Film mit dem Oscar ausgezeichnet, erst unlängst gewann Colson Whitehead mit seinem Roman „Underground Railroad“ den Pulitzer Price for Fiction. Ein weiterer Roman, der das Zeug hat, in den Kanon einzugehen, stammt von einer erst 28-jährigen Debütantin: Yaa Gyasi hat einen epischen Roman geschrieben, der 250 Jahre afrikanisch-amerikanische Geschichte erzählt. Weiterlesen

Gabriel Tallents „My Absolute Darling“: Die Wildnis der Westküste

Von „Ein wenig Leben“ über „Und es schmilzt“, von „Dann schlaf auch du“ bis zum „Inzest-Tagebuch“ – zu den meist diskutierten Texten dieses Jahres gehören Bücher, die Tabus brechen und ihre Leser mit dem verhandelten Stoff und expliziten Beschreibungen von Gewalt an ihre Grenzen bringen. In den USA erschien im August mit „My Absolute Darling“ ein Romandebüt, das im deutschen Literaturbetrieb bislang wenig Beachtung findet, aber genau jenem literarischen Trend der Neuen Tabulosigkeit entspricht.

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Saul Bellows „Herzog“: „His happiness was painful.“

Bellow-Herzog

Die Ich-Erzählung ist gegenwärtig die dominante Erzählperspektive in der deutschsprachigen Literatur. Sie verspricht Unmittelbarkeit, versucht erst gar nicht so etwas wie Objektivität vorzugaukeln und hat die Allmacht des auktorialen Erzählers des 19. und 20. Jahrhundert verloren. In ihr lassen sich innere Vorgänge nicht mehr ohne weiteres von äußeren trennen, jede Wahrnehmung ist vom Ich bestimmt. Auch wenn der Ich-Erzähler nicht exklusiv der Autobiographie vorbehalten ist, birgt er immer die Versprechung auf eine Instanz, die für das Erzählte einsteht, zur Not auch mit dem Leben. Welch Irrsinn! Wer heute noch mal Saul Bellows „Herzog“ liest, kann die Dominanz des Ichs nur bedauern. Weiterlesen