Schlagwort: amerikanische Literatur

Der amerikanische Archivschatz: Truman Capotes „Wo die Welt anfängt“

Es ist der Traum eines jeden Literaturwissenschaftlers, Editionsphilologen und Verlegers: man geht ins Archiv und findet Manuskripte eines namenhaften Schriftstellers, die noch nie veröffentlicht wurden. Eben dieses Glück hatten Anuschka Roshani und Peter Haag, als sie im Sommer 2014 nach New York reisten und in der Public Library auf die Jugenderzählungen und -gedichte von Truman Capote in dessen Nachlass stießen. Im Erzählband „Wo die Welt anfängt“ werden vierzehn eben jener Kurzgeschichten erstmalig veröffentlicht. Die Qualität der Texte, die Capote zwischen seinem 14. und 17. Lebensjahr verfasste, ist beeindruckend.

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Jonathan Franzen: Information und Wahrheit

Die Antwort auf die Frage, wie viel Transparenz wir unserer Gesellschaft zumuten können und wollen, wird unser Zusammenleben am entscheidendsten verändern. Diese Antwort zu finden gestaltet sich jedoch kompliziert, denn die Forderung nach Transparenz wird von allen Seiten gestellt und häufig falsch verstanden. Während der Staatsbürger ein Interesse am transparenten Staat hat, sind die staatlichen Geheimdienste dabei, den transparenten Bürger zu schaffen. Großkonzerne wie Google oder Facebook sind da längst weiter, sie haben die neue Ware „Information“ zu ihrem Geschäftsmodell gemacht. Doch ein allzu simples Verständnis von Transparenz kann auch zu Fehlschlüssen führen: Muss ein funktionsfähiger Staat und seine Sicherheitsdienste nicht auch Geheimnisträger sein können, um seine Bevölkerung effektiv zu schützen? Wer hat ein Anrecht auf Transparenz? Der Bürger? Die Parlamentsausschüsse? Weiterlesen

Die Magie der Materialität: J. J. Abrams und Doug Dorsts „S.“

Ein Buch von J. J. Abrams? Das Medium des US-Amerikaners war bislang das bewegte Bild. In Hollywood ist er schon länger ein gefragter Regisseur und Produzent von SciFi-, Mystery- und Actionproduktionen, dem nicht zuletzt die ehrenvolle Aufgabe zukam, bei Star Wars Episode VII Regie zu führen. Doch das geschriebene Wort scheint nicht fern, wenn man sich vor Augen führt, dass auch Abrams seine Karriere in Hollywood als Drehbuchschreiber startete. Für die Umsetzung seiner Romanidee holte er sich Hilfe beim Schriftsteller Doug Dorst, der sein Konzept zu Papier brachte – der Starregisseur schreibt also doch nicht selbst, weiß die New York Times. Man hat Verständnis, Abrams ist vielbeschäftigt. Und es wäre auch schade, diesem Buch seine Qualität wegen solcher Formalitäten abzusprechen. Denn mit „S.“ erschien in diesem Herbst ein besonderes Buch, das ein Gesamtkunstwerk ist. Weiterlesen