Schlagwort: Eugen Ruge

Matti Geschonnecks „In Zeiten des abnehmenden Lichts“: Der letzte Geburtstag der DDR

Ohne die Kunst wäre die DDR vielleicht schon längst vergessen. Während die Politik das Gedenken und Sprechen über die ostdeutsche Republik beinahe schon fast aufgegeben hat und letzte Lücken, die das realsozialistische Regime in die Städte der Deutschen geschlagen hat, mit wilhelminischem Kitsch aufschüttet, ist die DDR in der Kulturindustrie ein ewiger Dauerbrenner. Merkwürdigerweise nicht nur in Deutschland, auch in Übersee hat man das Thema für sich entdeckt (Franzens „Purity“ oder Stephen Kings „Bridge of Spy“), überall will man sich etwas über den Spießersozialismus der untergegangenen DDR erzählen. Eins der besseren Bücher über diese Zeit stammt von Eugen Ruge, der mit seinem Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ damals einen echten Kritikererfolg feierte. Nun hat der arrivierte Fernsehregisseur Matti Geschonneck den Stoff auf die Kinoleinwand gebracht. Weiterlesen

2016: Zehn Romane zum Vergessen

Ein weiteres Jahr geht zu Ende. Pünktlich zu Weihnachten scheuern sich die deutschen B-Promis auf den Ledercouchen der öffentlich-rechtlichen Sender die Hintern wund, um auf ein schauderhaftes Jahr zurückzublicken, während das Feuilleton und Literaturblogs die besten Publikationen des Jahres Revue passieren lassen. Doch ist 2016 nicht auch genauso auch die Summe seiner literarischen Ärgernisse und Enttäuschungen? Hier daher die offizielle, total objektive und allgemeingültige Liste der schlechtesten Bücher 2016. Weiterlesen

Eugen Ruges „Follower“: Die Mirabellen-Zeit ist vorbei

Die DDR ist längst zu einer Chiffre für den Überwachungsstaat an sich geworden. Erst im letzten Jahr erschien Jonathan Franzens „Purity“, in dem die DDR nur noch als Kulissenstaat und historische Folie auftrat, um das Problem der Überwachung im digitalen Zeitalter zu bebildern und den Umgang mit Dissidenten zu erleuchten. Zwar ist die konkrete DDR und ihre Schicksale immer noch sehr präsent, wie bei Christoph Hein oder Guntram Vesper, doch je weiter sie im historischen Verlauf nach hinten rückt, wird deutlich: der Staat mag untergegangen sein, die Wunden, die er geschlagen hat, verheilen so langsam, aber das Prinzip Überwachung ist aktueller denn je. Einen ihrer letzten großen Auftritte hatte die DDR in Eugen Ruges „In Zeiten des abnehmenden Lichts“, einer Familiengeschichte über sozialistische Enttäuschungen an beiden Enden; derer, die sie aufgebaut haben und derer, die spät in sie hineingeboren wurden. Nun ist Ruge mit einer Dystopie zurück und auch hier lässt ihn der ostdeutsche Staat als Erklärungsmuster nicht los. Weiterlesen

Eugen Ruge: Den Blick nach Osten

Die deutsche Literatur schaut in den Osten – und der Osten schaut zurück. Olga Grjasnowa, Katja Petrowskaja oder Nino Haratischwili sind Repräsentantinnen einer unübersehbaren Bewegung von deutschen Schriftstellerinnen, die ihre Wurzeln in Osteuropa haben und in deutscher Sprache die verlassene oder verlorengegangene Heimat thematisieren. Auch Eugen Ruge hat seine ersten Lebensjahre in Russland verbracht und passt gleichzeitig so gar nicht in diese Reihe. Er ist in jenem sibirischen Tiefland geboren, in das sein Vater, Wolfgang Ruge, deportiert wurde. Damit bildet seine Biographie das Muster für eine intrikate Konstellation: Die Sowjetunion als Vorbild realsozialistischen Welt, das gleichzeitig dessen Schlächter ist.

2011 kam sein Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ heraus, der genau diese Konstellation aufgreift. Weiterlesen