Schlagwort: Gerhart Hauptmann

Hans Pleschinskis „Wiesenstein“: Wo er ist, war Deutschland

Manchmal ist es geisterhaft, wie Publikationen zufällig gleichzeitig auf den Markt strömen. Erst kürzlich erschien Helmut Lethens „Die Staatsräte“, das sich mit vier Intellektuellen im Nationalsozialismus und deren konfuses wie heikles Verhältnis zur Macht beschäftigte. Lethen legt darin eine Erkundung der Psychologie großer Männer vor, die sich absichtsvoll in den goldenen Käfig des Regimes begaben. Fast gleichzeitig erschien auch Hans Pleschinskis „Wiesenstein“. Pleschinski hat schon mit „Königsallee“ ein Portrait eines berühmten Literaten (Thomas Mann) geschaffen, nun hat er sich Gerhart Hauptmann vorgenommen. Was hat dieser mit den Staatsräten zu tun? Auch er blieb in Deutschland und auch er brachte sich in eine Nähe zum NS-Staat, in die er sich nicht hätte bringen müssen. Pleschinski zeichnet in „Wiesenstein“ dessen letzte Tage nach. Weiterlesen

Uwe Timms „Ikarien“: No Future

Wie werden Träume zu Albträumen? Das ist eine Frage, die nicht nur Neurologen und Psychoanalytiker interessiert, sondern auch jeden, der das 20. Jahrhundert in all seiner Schrecklichkeit nachvollziehen möchte. Schließlich gab es zu Beginn der Neunzehnhunderter eine wahre Inflation an Ideen und Utopienvorschläge für den Weg zu einer gerechteren Gesellschaft. Was folgen sollte, war jedoch nicht das Paradies auf Erden, sondern die schlimmste Verheerung, die die Welt in kurzer Zeit erfahren sollte. Wie konnte es dazu kommen? Wie konnte die Idee einer freieren und gerechteren Gesellschaft in ihr komplettes Gegenteil sich umkehren? Eine Frage, die sich auch Uwe Timm in seinem neuen Roman „Ikarien“ stellt. Weiterlesen