Schlagwort: Künstlerroman

Hans Joachim Schädlichs „Felix und Felka“: Malende Touristen

Künstlerromane liegen seit über 200 Jahren im literarischen Dauertrend: Von Ludwig Tieck über Gottfried Keller, von Émile Zola über Hermann Hesse bis hin zu den Bestsellern unserer Zeit – Kehlmanns „Ich und Kaminski“ oder zuletzt „Max“ von Markus Orths  – schildert die Literatur das Schicksal von bildenden Künstlern, mal umfassend als Bildungsroman, mal ausschnittartig in Fragmenten. Hans Joachim Schädlichs neuer Roman widmet sich nun einem Künstlerpaar: Felix Nussbaum und Felka Platek. Weiterlesen

Julian Barnes‘ „The Noise of Time“: Uhrwerk Literatur

Am Anfang von Julian Barnes‘ neuen Roman heißt es: „What did a name matter? He had been born in St. Petersburg, started growing up in Petrograd, finished growing up in Leningrad. Or St. Leningsburg, as he sometimes liked to call it. What did a name matter?“ Die Gleichgültigkeit gegenüber Namen ist insofern beachtlich, weil „The Noise of Time“ mit einem ganz konkreten Namen verbunden ist: dem russischen Komponisten Schostakowitsch. Diesem erging es schlimm unter dem sowjetischen Regime, wenn auch nicht ganz so schlimm wie vielen anderen. Julian Barnes macht aus seiner konkreten Biographie eine Parabel auf Künstlerschaft im Angesicht von totalitären Regimen, derer Beispiele es viele gab. In diesem Sinne: What did a name matter? Weiterlesen

Lässt mich kalt: Rolf Lapperts „Über den Winter“

Rolf Lapperts aktueller Roman „Über den Winter“ steht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und gehört im Wettbewerb vergleichsweise zu den konservativeren Kandidaten: Erzählt wird in einem klassischen, durchgängigen Vergangenheits-Tempus entlang einer einzelnen Figur, Lennard Salm, vordergründig aus personaler, passagenweise aus auktorialer Perspektive. Im Zentrum von „Über den Winter“ steht die erzählte Handlung und nicht die Sprache, die sich ihrerseits lediglich durch den detailverliebten Wirklichkeits-Realismus auszeichnet.  Weiterlesen

Rilke-Bashing auf höchstem Niveau: Klaus Modick’s „Konzert ohne Dichter“

Seit etwa 10 Jahren – Daniel Kehlmanns Vermessung der Welt im Jahr 2005 könnte als Ausgangspunkt gewertet werden – lässt sich ein Trend in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur feststellen: Die literarische Fiktionalisierung von historischen Begebenheiten und dem Leben realer Personen in Romanform [andere Beispiele wären u.a. Kracht’s grandioses Prosawerk Imperium (2012), Hans Pleschinski’s Königsallee (2013) oder Thomas Hettche’s Pfaueninsel (2014), das hier schon ausführlicher vorgestellt wurde].

In seinem Roman Konzert ohne Dichter erzählt Klaus Modick von der Künstlerkolonie in Worpswede aus dem personalen Blickwinkel von Heinrich Vogeler, der deutschen Ikone des Jugendstils. Anlässlich der Auszeichnung seines Bildes „Das Konzert (Sommerabend)“, oder eben „Konzert ohne Dichter“ mit der Großen Medaille für Kunst und Wissenschaft im Jahr 1905 reflektiert Vogeler die Entstehungsumstände des Bildes und das Verhältnis zu den im Werk abgebildeten Personen – und zu jenem Dichter, der zwar zum Künstlerkollektiv gehörte, aber nicht abgebildet ist: Rainer Maria Rilke. Konzert ohne Dichter ist eine Ekphrasis – und ein Abgesang des Mythos Rilke.  Weiterlesen