Schlagwort: Peter Richter

André Kubiczeks „Skizze eines Sommers“: Nur Eitelkeit auf Erden

Skizze eines Sommers

Und täglich grüßt das Murmeltier: keine Longlist des Deutschen Buchpreises ohne seinen DDR-Roman. Das ist kein Grund zu klagen, schließlich gehört die ostdeutsche Republik zur gesamtdeutschen Vergangenheit. Doch André Kubiczeks „Skizze eines Sommers“ erinnert in frappierender Weise an Peter Richters „89/90“, das im letzten Jahr einen Platz auf der Longlist bekam. Daher drängt sich die Vermutung auf, dass hier per Quote Romane ausgewählt werden, jedem Genre sein Plätzchen, schließlich soll auch für jeden Leser etwas dabei sein. Auch sonst ist bei Kubiczek alles typisch Buchpreis 2016: ein handwerklich solider, völlig harmloser Roman, der den Leser weder herausfordert, noch in Frage stellt; ihn am emotionalen Schlafittchen packen möchte, ohne die wirklich wunden Punkte zu berühren. Weiterlesen

„89/90″ – Das Leben in der Nische

Kaum eine Diskussion innerhalb der deutschen Literatur ist so verbissen geführt worden wie jene um die literarische Verarbeitung der Wende. Es mag eine verworrene Ansicht sein, die davon ausgeht, jedes große Ereignis müsste seine literarische Entsprechung finden, doch der Deutsche wollte nach 1990 gefälligst seinen „Wenderoman“ aufgetischt bekommen. Als einer der Ersten wurde Günter Grass am Nasenring in die Manege gezerrt und schließlich für sein „Weites Feld“ ordentlich verprügelt. Danach haben sich dutzende Schriftsteller, bewusst oder unbewusst, West oder Ost, daran versucht – so richtig zufrieden war die deutsche Öffentlichkeit nie. 25 Jahre später, so würde man denken, ist die Sache gegessen. Doch dann kommt auf einmal Peter Richter mit seinem Roman „89/90“ um die Ecke und belehrt eines Besseren: Über die Wende kann höchst relevant und vor allem sehr unterhaltsam erzählt werden.

Weiterlesen