Schlagwort: Subjektkrise

Michael Krügers „Das Irrenhaus“: Leben am Fensterbrett

Als psychologische Kränkung bezeichnet Sigmund Freud den Umstand, dass nur ein Teil des menschlichen Seelenapparats von einem rationalen, reflektierten Bewusstsein gesteuert ist. Vielmehr sei er beeinflusst von Triebhaftigkeit und Unbewusstem, was das „Ich“ zu der Einsicht kommen lässt, „nicht mehr Herr im eigenen Haus zu sein“. Damit stand das Subjekt zur Disposition, das sich aus der Tradition der Aufklärung als rationales Wesen herausgebildet hatte. Bei dem „Ich“-Erzähler in Michael Krügers neuen Roman „Das Irrenhaus“ steht die Sache noch komplizierter: Zwar ist er faktisch Herr im eigenen Haus, das weiß dort nur niemand. Und dann ist in diesem Haus auch noch so viel anderes präsent, das sich seiner bemächtigt. „Das Irrenhaus“ ist ein mal witziger, mal melancholischer Text über ein Subjekt in der Krise und die Durchlässigkeit, die Menschen zum Schreiben befähigt. Weiterlesen